3.5.2019

Zwei Flaschen Idig

Es gibt zwei Flaschen Riesling aus dem Königsbacher Idig von den Weingütern Christmann und Johann F. Ohler aus den Jahren 2013 und 2016.

Zwei Weine einer Lage ist immer eine spannende Geschichte. Heute kommen diese aus dem Königsbacher Idig in der Pfalz. Einer davon ist vom Weingut Christmann, der andere vom Weingut Johann F. Ohler. Dieses mir bis dahin unbekannte Weingut wurde uns beim letzten Besuch der Pfalz in einem anderen Weingut empfohlen und lag praktischerweise sowieso auf dem Weg. Der Vergleich soll nicht dazu dienen zu entscheiden wer den besseren Wein macht, sondern anschaulich machen wie aus der gleichen Lage von verschiedenen Winzern aus der gleichen Traubensorte völlig verschiedene Weine gemacht werden. Dabei sollte im Hinterkopf behalten werden, dass die Weine zumindest preislich in völlig verschiedenen Regionen spielen und natürlich auch aus verschiedenen Jahren stammen. Spannend ist es trotzdem.

Den Anfang macht der Idig von Christmann aus dem Jahr 2013. Während wir im unteren Teil der Qualitätspyramide mit dem Gutswein schon hier eingestiegen sind, befinden wir uns mit dem Idig an deren Spitze. Stark ertragsreduziert, spontan vergoren und im großen Holzfass ausgebaut. Im Glas hat der Wein eine cremige Nase, im Hintergrund finden sich Ananas, Quittengelee und Mirabelle. Viele gelbe Noten und obwohl der Zucker nur knapp über einem Gramm liegt ist da auch etwas Süßes zu erkennen.

Beim Trinken füllt der Wein den Mund dann komplett aus, er hat eine wirklich schöne Würzigkeit, ist dabei in seinem Auftreten eher leise, bedacht, aber man kann lange hinhören. Ein filligraner und eleganter Wein mit einer unendlichen Länge, die mit etwas Butter und Honig sich auf der Zunge immer weiter entwickelt und immer perfekt balanciert bleibt. Zeit muss man mitbringen und den Wein erzählen lassen. Sicher kann man ihn auch noch einige Jahre weglegen aber ich habe nicht das Gefühl zu früh am Korken gezogen zu haben. Im Laufe des Abends wird er immer länger und gelber, die Nase fruchtiger. Am zweiten Tag noch komplexer, unendlich lang und verändert sich noch lange auf der Zunge, cremig, Grapefruit, Honig, ein bisschen Struktur aus dem Holz in der Nase, dann wieder seidig weich am Gaumen. Das ist wirklich toller Wein.

Der Riesling JFO vom Weingut Ohler aus dem Jahr 2016 ist ein ziemlicher Kontrast. In der Nase aromatisierter Tee, mit Mango, Maracuja und anderen exotischen Früchte. Er erinnert an Pfirsicheistee, ein bisschen künstlich, ein bisschen Nostalgie. Insgesamt aber ein toller Geruch. Im Mund dann mehr Säure als der Christmann, und mehr Würze. Sicherlich deutlich lauter, direkter, hier hat mit Sicherheit auch der Altersunterschied zwischen den beiden Weinen ein Wörtchen mitzureden. Lang ist er auch, aber die Geschichte die hier erzählt wird kommt schneller zum Punkt. Es soll kein falscher Eindruck entstehen, das hier ist kein plakativer Wein, ganz und gar nicht. Er ist einfach komplett anders.

Im Sommer auf der Terasse würde ich ihn dann auch deutlich vorziehen. Frisch, ohne langweilig zu sein. Der ideale Hitzebegleiter. Und sich dann, wenn der Herbst kommt, mit dem grossen Gewächs an einem Regenwochenende einschließen. Und es erzählen lassen.

Ähnliche Beiträge

comments powered by Disqus