9.6.2019

Martin Müllen - Trarbacher Hühnerberg

Ein gereifter Riesling aus dem Jahr 2009 vom Weingut Martin Müllen an der Mosel kommt ins Glas. Eine Achterbahnfahrt.

Gereiften Wein bekommt man nur auf zwei Arten: Entweder man lässt ihn im Keller liegen und wartet, oder man findet einen Winzer oder Händler, der einem das abnimmt. Martin Müllen an der Mosel ist so einer. Es gibt ab Hof eine große Auswahl an gereiften Weinen käuflich zu erwerben. Der jetzige Wein, ein Riesling, ist aus dem Jahr 2009 und stammt aus dem Trarbacher Hühnerberg. Der gereifteste Riesling in diesem Blog bisher, die Erwartungen sind hoch.

Die erste Assoziation beim Geruch ist gelb, dunkelfruchtig, tief. Das Alter fällt nicht direkt auf. Zitrusnase, aber insgesamt tut sich relativ wenig beim Riechen. Im Mund etwas Aceton, zusammen mit dem weißen Zeug zwischen den Spalten einer Zitrusfrucht, Grapefruit, sehr kräftig mit einer harten Kante direkt am Anfang. Mehr Bitternoten, unreife Frucht. Liegen bleibt dann ganz hinten auf der Zunge Honig. Ich bin ehrlich, der erste Schluck war unangenehm, die direkt danach nicht viel besser. Das was dann aber liegen bleibt lässt hoffen, dass da noch was kommt.

Erst mal atmen lassen. Dann im Laufe des Abends öffnet der Wein sich. Wird frischer, man riecht den Stein, die typische Mineralik, etwas Honigsüße jetzt auch in der Nase. Die krasse Kante im Mund wird runder, die Zitrusbitterkeit geht einen Schritt nach hinten, die knackige Säure übernimmt. Eleganz und Länge und ein bisschen Cremigkeit. Viel Extrakt, viel Würze, Struktur im ganzen Mundraum und auf der Zunge. Easy-Drinking ist anders, langweilig aber auch.

Hätten wir hier aufgehört am ersten Abend, wäre ich froh gewesen das einmal probiert zu haben. Aber nochmal kaufen? Nein.

Am zweiten Tag setzt sich die Entwicklung des ersten Abends glücklicherweise konsequent fort. Flint in der Nase, Petrol, typische Rieslingfrucht, die Würze immer noch sehr komplex. Alles jetzt rund, stimmig, mit exotischer Frucht, Maracuja, Zitrus. Viel besserer Wein heute, lang, würzig, komplex. Nur die Säure, die haut einem aufs Maul.

Stand zweiter Tag würde ich sofort nachbestellen. Säure und Würze in schöner Balance und die Frucht dazu mit dem Stein. Super!

Dritter Abend: Die Zitrusnoten kommen in den Vordergrund, die Würze tritt noch weiter zurück. Der Wein ist lang, komplex und mir dieses Wochenende trotz der Freude am zweiten Abend einfach zu sauer. Das mag am Wein liegen oder am Wochenende oder an mir. Das mag sich mit zusätzlichen Jahren auf der Flasche auch noch ändern. Ein Erlebnis ist er definitiv, aber einmal reicht. Erstmal.

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