28.7.2019

Drei Flaschen Beurer

Mit Rieslingen vom Gispkeuper, vom Schilfsandstein und vom Kieselsandstein aus 2016 von Jochen Beurer suchen wir den Boden im Wein.

Wein wird von vielen Einflussfaktoren geprägt: Wetter, Lage und Winzer sind sicherlich die wichtigsten, dann kommt aber das Alter, die Lagerbedingungen, die Tagesform des Verkosters und viel mehr noch dazu. Will man da jetzt einen einzelnen Faktor vergleichen, dann ist das gar nicht so einfach. Mit drei Rieslingen von Jochen Beurer aus dem Remstal kann man aber immerhin versuchen sich anzunähern. Gleicher Winzer, ungefähr gleiches Wetter, da die Weinberge nicht allzuweit voneinander entfernt sind und alle aus dem selben Jahr und von mehreren Leuten an einem Abend getrunken. Bleibt also die Lage, beziehungsweise der Boden als großer Unterschied. Wir trinken Rieslinge vom Gipskeuper, vom Schilfsandstein und vom Kieselsandstein aus 2016.

Los geht es mit dem Gipskeuper. In der Nase fruchtig, Zitrusfrucht, sehr frisch, leichter Feuerstein, im Mund relativ viel Säure und bittere Zitrusschale. Oben am Gaumen Struktur vom Extrakt und ein angenehmes Ziehen. Erinnert ein bisschen an saure Apfelringe. Im Laufe des Abends wird er weicher, der Flint geht zurück und die Apfelringe sind deutlich zu schmecken. Voller, runder Wein.

Der Schilfsandstein dagegen fängt sehr zurückhaltend an, weniger reduktive Feuersteinnote, weniger Zitrusfrucht, dafür Steinobst. Mirabellen im Mund, insgesamt ein klarerer, sehnigerer Wein. Der Feuerstein taucht dann mit der Zeit doch auf, vergeht aber auch wieder und macht Platz für eine tolle mineralische Würze mit viel heller Frucht. Der klarste Wein heute Abend und ungemein saftig.

Kieselsandstein startet mit reifem Apfel, fast schon süß in der Nase und noch weniger Feuerstein als bereits im Schilfsandstein. Im Mund ist der Wein sehr weich aber auch frisch und klar. Die leichten Zitrusbitternoten in den anderen beiden sind hier momentan nicht zu schmecken. Noch saftiger als der Vorherige. Mit Luft kommt eine Idee von Colorado-Tüte, dezentes Süßholz mit exotischer Frucht, aber nicht lange, dann eine sehr klare Säure und Cremigkeit auf der Zunge.

Nach vier Stunden in der offenen Flasche und den Gläsern ist der Kieselsandstein der Wein des Abends. Er ist klar, fruchtig und hat eine mineralische Kante hinten im Mund, die zum Leertrinken einlädt und ist als Gesamtpaket den anderen beiden einfach eine Nasenlänge voraus. Insgesamt sind das aber drei wirklich gute Rieslinge, die mit Preisen zwischen 12 und 15 Euro ab Weingut eine echte Empfehlung sind, vor Allem im Vergleich wie hier.

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