14.7.2019

Kurzurlaub in Iphofen

Ein kleiner Reisebericht vom Wochenendausflug nach Franken. Weine und Mehr aus Iphofen.

Es ist ein ziemlicher Glücksfall, dass (fast) alle Weinregionen in Deutschland vom Süden aus mit dem Auto schnell zu erreichen sind. So eignen sie sich perfekt für einen Wochenendurlaub, dieses mal in Franken, genauer in Iphofen. Es war nicht unbedingt als Verkostungstour geplant und so sind die Notizen mal wieder eher kürzer ausgefallen und sollen mehr einen schnellen Einblick und den ersten Eindruck wiedergeben als vollumfänglich den Wein bewerten.

Übernachtet haben wir im Gästezimmer des Weinguts Weigand, bei dem man neben dem guten Frühstück und der schönen Zimmer auch abends wunderbar im Innenhof oder Innenraum sitzen um die gutseigenen Weine zu genießen. Das haben wir ausgiebig wahrgenommen, aber wie das bei geselligem Weintrinken am Abend dann schon mal passiert, sind die Notizen etwas kurz gekommen. Hängen geblieben ist aber Der Echter Berg. Ein Silvaner aus der Lage Iphöfer Julius-Echter-Berg, der mit viel Struktur und einer unglaublichen Cremigkeit seine Zeit im Holzfass zeigt und mit wenig Frucht und vielen anderen Aromen viel Spaß gemacht hat.

Am ersten Abend war glücklicherweise trotz Stau noch genug Zeit um beim Weingut Wirsching einen Eindruck der Weine zu bekommen. Angefangen haben wir mit dem Iphöfer Silvaner Ortswein aus 2018. Viel gelbe Frucht, etwas alkoholisch in der Nase, Kräuter, etwas Birne, aber mir leider zu reif. Für nur wenig mehr Geld hat mir da der Iphöfer Kalb Silvaner 2018 aus der ersten Lage besser gefallen. Eleganter, etwas Grapfruit zur Birne und eben nicht so fett reif. Der Julius-Echter-Berg 2018 erste Lage Silvaner war noch eine Idee klarer, mehr Säure im Mund, länger, noch etwas weniger Frucht und dichter hinten auf der Zunge. Mehr in die kräuterige Ecke mit mehr Mineralik ging der Iphöfer Kronsberg Alte Reben ebenfalls aus 2018. Auch aus dem Iphöfer Kronsberg war dann das große Gewächs aus dem Jahr 2015, das mit mehr Struktur, Quitte und einem Hauch Silberzwiebeln in der Nase schon eine schöne Reife hatte.

Von den Rieslingen war wie schon beim Silvaner der Ortswein Iphöfer Riesling aus 2018 momentan auf der zu fruchtigen, zu breiten Seite. Es hat die Spannung gefehlt. Der Riesling aus dem Julius-Echter-Berg erste Lage hat da mehr Würze, mehr Mineralität und auch mehr Länge mitgebracht. In der Nase der Iphöfer Kronsberg Alte Reben, allerdings Jahrgang 2017, kam zum Feuerstein noch Petrol, etwas Gummi und Würze dazu. Am Gaumen nochmal deutlich länger. Insgesamt eine schöne Kollektion, nur die beiden Ortsweine waren mir etwas zu fett, zu fruchtig breit. Sicherlich dem Jahrgang geschuldet.

Wenn man in Iphofen ist lohnt es sich die Altstadt bei Tag und bei Nacht zu Fuß zu erkunden. Erstens ist der Ort nicht wirklich ausladend, was ein Umrunden der Stadt und eine Begehung so ziemlich aller Straßen an einem Abend problemlos möglich macht und zweitens profitiert er ungemein von Knauf als großem Gewerbesteuerzahler, was man in den wirklich schön hergerichteten Häusern und der Mischung aus Fachwerk und Moderne eindrucksvoll sehen kann.

Am nächsten, späten Vormittag waren wir beim Weingut Ruck. Hier sind nur wenige Weine des aktuellen Jahrgangs auf der Liste zu finden. Angefangen wurde dann aber doch mit einem Silvaner Gutswein aus 2018. Der Wein war nicht fett, hatte klare Fruchtnoten aber irgendwie auch noch nicht richtig rund. Schön, dass es gerade eine Sonderabfüllung eines Gutsweins in der Edition Elefant zu probieren gab aus 2017. Das eine Jahr mehr tut dem Wein wirklich gut, bringt mehr Cremigkeit, mehr Würze und auch wegen des Jahrgangs etwas weniger Alkohol. Ein runderer Wein. Dann die drei Einstiege in das Lagenweinsortiment. Alle aus 2017. Iphöfer Kalb am cremigsten der drei Weine, sehr weich, Birne, gelb. Der Iphöfer Kronsberg Alter Reben mit mehr Würze, Kernobst, Mineralik. Und der Julius-Echter-Berg, der etwas spitzer in der Säure aber insgesamt dichter ins Glas kommt, der braucht noch Zeit. Das große Gewächs aus der gleichen Lage aber Jahrgang 2016 hatte es etwas schwer gegen die drei vorigen Weine. Insgesamt eleganter, fragiler, mit zarterer Frucht war es nicht ganz dabei. Ganz im Gegenteil zum Myophorium aus 2009, der aus besonderen Parzellen geernet wird und lange im Holz liegen darf. Sehr lang, ultra cremig, Kirschkerne, Würze, kaum Frucht, fast schon Parmesan in der Nase. Toll.

Um einen besseren Überblick über die Stadt zu bekommen ging es dann mit einer geführten Wanderung vom Weingut Bausewein ganz nach oben zum Museumsweinberg. Hier stehen in drei kleinen Parzellen, getrennt durch Trockenmauern, Reben in historisch korrektem Anbau vom Einzelpfahl mit gemischtem Satz aus Heunisch, Elbling und Räuschling, über die Dreipfahlerziehung mit gemischten Satz aus deutlich mehr Rebsorten und einer frühen Drahtanlage mit Silvaner. Die Weinberge werden von acht Winzern aus dem Ort ehrenamtlich betreut und zusammen zu einem Wein gekeltert. Wenn man in der Gegend ist und gerade so eine Wanderung statt findet unbedingt mitwandern. Es lohnt sich! Auf dem, auf dieser Wanderung entstandenen Titelfoto, sieht man auch deutlich die Größenverhältnisse von Ortskern und der Fabrikhalle der Firma Knauf schräg dahinter. Im Weingut war im Anschluss noch offene Verkostung der Weine, Notizen habe ich keine gemacht. Kein Schatten und volle Sonne im Weinberg haben da ihren Tribut gefordert. Das Weingut bietet aber leckere Bioweine zu fairem Preis.

Wenn man dann einen noch breiteren Einblick in die Winzer aus dem Ort bekommen möchte, bietet sich die Vinothek Iphofen für einen Besuch am Abend an. Es gibt super Essen und je drei Weine aller 20 selbstvermarktenden Winzer aus Iphofen im offenen Ausschank zu günstigen Preisen. Hier kann man den Abend wunderbar ausklingen lassen.

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