25.10.2020

Julia Bertram - Handwerk

Wir trinken drei Spätburgunder Handwerk von Julia Bertram aus den Jahren 2016, 2017 und 2018.

Der erste Wein von der Ahr im Blog, und auch abseits vom Internet sind die Weine, die wir bisher von der Ahr im Glas hatten überschaubar. Höchster Nachholbedarf also. Die Ahr ist Rotweingebiet. Deutlich über 80% der Rebfläche ist mit roten Trauben bestockt und mit über 60% der Rebfläche dominiert der Spätburgunder. Es liegt also auf der Hand, mit dieser Sorte anzufangen. Wir trinken drei Einstiegsspätburgunder Handwerk von Julia Bertram. Inzwischen heißt das Weingut allerdings Bertram-Baltes, da Julia Bertram die Weine zusammen mit Benedikt Baltes keltert, von dem wir schonmal einen Portugieser im Glas hatten. Der Handwerk als Einstieg ins Sortiment und dann über drei Jahrgänge verteilt ist, wie ich finde, ein schöner Anfang, sowohl was die Weine von Julia Bertram betrifft als auch die Rotweine von der Ahr. Die Weine werden nach der Handlese spontan vergoren und im gebrauchtne Holzfass ausgebaut.

Wir riechen dunkle Beeren und Kirschen im 2016er. Dazu ein bisschen Würze. Der Wein braucht nur ganz wenig Anlauf um schon beim ersten Glas voll da zu sein. Die Kirsche liegt auch auf der Zunge. Dazu kommt ein bisschen Holz mit feiner Struktur und eine minimale Note Unterholz. Mit Luft kommt Wärme in die sonst eher kühle Aromatik. Himbeeren, schwarze Johannisbeere und Blaubeerjoghurt sind da. Der Wein ist voll aber nicht schwer.

Nach einer Nacht entwickeln sich ätherische Noten. Man spürt die wenigen Jahr auf der Flasche ganz leicht, alles ist harmonischm elegant und samtig weich. Die Frucht geht eher zurück und steht jetzt gleichberechtigt neben den anderen Aromen. Gleichzeitig ist da jetzt viel mehr Blaubeere als Kirsche in der Nase.

Der Handwerk aus 2017 startet dagegen als leichter Stinker. Erstmal viel weniger Frucht als der Wein aus dem Vorjahr hatte. Nicht so samtig, eher saftig frisch mit Säurebiss. Ein bisschen Tierstall, mineralischer in der Struktur und noch heller in der Aromatik. Das braucht schon einiges mehr an Luft um in Fahrt zu kommen. Dann ist da Fleischsaft in der Nase, frische Himbeeren und verdünnter Rote-Beete-Saft. Die Frucht ist viel frischer als beim Vorjahrgang.

Auch nach einer Nacht im Kühlschrank braucht der Wein Luft um loszulegen. Die rote Beete bleibt, das rote Fleisch auch. Ein bisschen erdig, ein bisschen herzhaft, ein bisschen knackig frisch. Ganz am Ende des Abends, in den letzten Schlücken kommt die Frucht dann richtig aus der Deckung und nimmt alles ein. Wir haben den Wein sicher ein bisschen zu früh geöffnet, oder hätten ihm alternativ noch mindestens einen Tag mehr in der offenen Flaschen gönnen sollen. Trotzdem finde ich ihn großartig.

Der letzte Jahrgang, 2018, startet ebenfalls mit einem kleinen Stinker. Der geht aber in eine ganz andere Richtung, mehr Kellergewölbe als Tierstall. Dazu reduktiv und man wird den Eindruck nicht los, dass da noch Kohlensäure von der Gärung auf der Flasche ist. Die Säure ist noch knackiger, der Wein weniger definiert als 2017. Hier ist noch deutlicher, dass wir zu früh dran sind. Das lässt sich zumindest am ersten Abend auch durch Luft nicht beheben. Es wechselt zwar von Kellergewölbe zu anderen Aromen aber der Charme der anderen Beiden will nicht aufkommen. Auf der Zunge ist das weniger tragisch, da dominiert frische Saftigkeit und da macht er irgendwie auch Spaß.

Interessanterweise hilft bei 2018 die Nacht im Kühlschrank weit mehr als sie es bei 2017 getan hat. Der Muff verschwindet, die Frucht kommt voll raus. Sauerkirsche und rote Beeren in der Nase und im Geschmack und auch der Gerbstoff verändert sich. Wird seidiger und weicher. Dazu etwas Bitterschokolade. Trotzdem bleibt als große Erkenntnis, dass auch der Gutswein in diesem Fall lieber ein paar Jahre länger im Keller warten sollte. Spaß gemacht haben aber am Ende alle Weine.

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