14.11.2021

Markus Molitor - Brauneberger Klostergarten** 2016

Wir trinken eine Flasche Spätburgunder aus dem Brauneberger Klostergarten von Markus Molitor aus dem Jahr 2016.

Dass Markus Molitor eine unfassbare Anzahl an verschiedenen Weinen keltert hatten wir hier schon einmal. Diese Auswahl ist nicht auf Riesling beschränkt. Auf einem kleinen Anteil der Rebfläche des Weinguts steht Spätburgunder, der in den letzten Jahren an der Mosel an Bedeutung gewonnen hat. Im 19. Jahrhundert hat Rotwein an der Mosel mehr als die Hälfte der Fläche ausgemacht bis dann der Weisswein immer mehr überwogen hat. Es war bis in die 1980er Jahre sogar verboten Rotwein anzubauen. Heute stehen auf knapp einem Zehntel der Fläche rote Rebsorten und der Spätburgunder macht darunter den größten Anteil aus. Die Reben für den Wein heute stehen auf Schieferboden in der Lage Brauneberger Klostergarten, die auf der gleichen Moselseite liegt wie Brauneberg selbst. Mit zwei Sternen ist der Wein eine Stufe unter den Spitzenrotweinen bei Markus Molitor angesiedelt. Der Wein wird nach der Lese spontan vergoren und dann nach der Maischestandzeit in Eichenholz ausgebaut.

Der Wein riecht würzig, da ist frische Kirsche, Sträucher und Ledergürtel. Dazu kommt ein bisschen Rauch. Er wirkt extrem fokussiert und dicht. Man hat das Gefühl, dass da nichts ist, was der Winzer da nicht wollte. Auf der Zunge kommt viel Struktur, das Tannin ist feinkörnig, dazu viel kühl wirkende Kirsche. Hinten raus ist irgendwas in Richtung Kirsch- oder Aprikosenkerne. Marzipan. Und oben am Gaumen erinnert er ein bisschen an Fruchtgummikirschen gemischt mit Holz und Pfeffer. Auch im Mund hat er diesen Fokus und die Dichte. Mit Luft entwickelt sich ein charmanter Stinker. Jetzt kommen Kräuter dazu, etwas Waldboden und Fleischsaft. Auch auf der Zunge wird der Wein etwas offener und wirkt harmonischer. Die Struktur und die Kühle bleiben aber. Insgesamt wirkt das sehr jung und in seiner Dichte der Aromen auch noch ein bisschen verschlossen.

Ein Tag später ist mehr Pflaume als Kirsche in der Nase. Dazu kommen rote Beeren, etwas feuchte Erde und Stein. Im Mund ist der Spätburgunder weicher geworden, die Frucht wirkt dezenter und etwas leiser. Genau so geht es uns mit der Marzipannote und der Struktur. Alles ist etwas sanfter geworden, ohne an geschmacklicher Tiefe einzubüßen. Da gibt es weiterhin viel zu entdecken, aber den Eindruck, dass noch etwas mehr Zeit im Keller vielleicht gut getan hätte wird er nicht ganz los.

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