3.12.2023

Enderle & Moll und [trub:stoff]

Zum ersten Advent trinken wir zwei Weine der Familie Moll. Eine Flasche Kerner fiore 2022 von Enderle & Moll und einen PetNat Propeller 2022 von [trub:stoff].

Die Aufschrift auf den Korken ist gleich geblieben und trotzdem hat sich seit den letzten Flaschen, die wir vom Weingut Enderle & Moll hier probiert haben, Einiges getan. Über drei Jahre ist das inzwischen her. Es ist wirklich verrückt, wie die Zeit verfliegt. Im Jahr 2020 hat Sven Enderle die Entscheidung getroffen sich neuen Aufgaben zu widmen. In den Jahren zuvor war bereits Géraldine, die Lebensgefährtin von Florian Moll, mit in den wachsenden Betrieb eingestiegen. Zur Unterstützung im Keller ist Maxence Lecat, Kellermeister aus Frankreich, in dieser Zeit ebenfalls Teil des Betriebs geworden. Und auch Manfred und Leonie Enderle, die zuerst nur Trauben zulieferten, jetzt aber die Weinberge gemeinsam bewirtschaften sind ein wichtiger Teil inzwischen. Jede Menge Veränderung also in den letzten Jahren. Unverändert geblieben ist, dass man das Weingut vor Allem mit Burgunder in Verbindung bringt. Deshalb trinken wir heute Kerner und ich verspreche, dass das ganz viel Sinn ergibt. Als Erstes kann ich mich trotz angestrengtem Nachdenken nicht daran erinnern, in den letzten Jahren eine Flasche Kerner getrunken zu haben und wollte das ändern. Kerner ist übrigens aus Trollinger und Riesling in Württemberg gezüchtet worden, sollte man als Württemberger also zumindest mal probiert haben. Zum Zweiten sind inzwischen unter dem Namen Prestige drei Natural Weine Teil des Weingutssortiments und wie es der Zufall will ist einer davon eben dieser Kerner fiore aus 2022. Und um die Geschichte perfekt zu machen, haben Florian und Géraldine angefangen unter dem Label [trub:stoff] PetNats zu füllen, von denen der Propeller neben Weissburgunder, ihr ahnt es schon, auch noch Kerner enthält. Davon abgesehen kleben sie mit die besten Etiketten auf diese Flaschen, die ich im letzten Jahr so gesehen habe und wer hier schon länger liest, weiß, dass ich allein deshalb schon zuschlagen musste.

Der fiore wächst auf Muschelkalk, wird spontan vergoren und steht dann lange auf der Feinhefe bevor er ungefiltert und ungeschönt in der Flasche landet. Unter einem dieser Alibiwachskleckse, die, wenn sie mal groß sind sicher eine ganze Wachskapsel werden wollten. Davor aber aufgehört haben zu wachsen (haha, wachsen). Das was diesem Klecks aber an Oberfläche fehlt, macht er durch Zähigkeit mehr als wett. Das Kellnermesser da durchzudrücken war ein richtiger Kraftakt. Wachs auf Weinflaschen und ich, das wird einfach keine Liebesgeschichte mehr. Der Kerner startet dann sehr nussig im Glas. Die Mittrinkerin murmelt dann etwas von Holunderblütensirup und ob da ein Hugo ins Glas gefallen wäre. Und jetzt wo sie das sagt, da rieche ich das auch. Ich finde die ersten Momente ein bisschen anstrengend, sie sieht das ganz anders. Der Wein ist kühl und sehr geradeaus mit viel saftigem Zug. Da ist zwar Pfirsich und etwas Zitrone, aber eigentlich ist das eher fruchtarm. Das ist einer dieser Weine wo das was man riecht und das was man schmeckt nicht so recht zusammenpassen will, die Kombination dann aber trotzdem richtig gut ist. Es wird mehr Natural in der Nase mit mehr Luft, dreckiger und etwas holziger. Und irgendwo dahinter, so ganz leicht, ist auch ein Touch wilde Säure, die einem dann hinten die Zunge aufräumt.

Am nächsten Tag ist der Wein wilder. Mehr Natural, etwas unsauberer und die Säure ein bisschen anstrengender. Alles rückt enger zusammen, da ist Rauch, Klebstoff, Orangen und Quitten. Noch mehr Luft bringt dann wieder mehr Frucht mit sich. Es wird cremiger, verändert sich ständig, erinnert jetzt an Wachholder und Mirabellen. Beim Trinken ist der Wein cremig gelb und voller Apfelschalen. Die Frage wie typisch das für Kerner ist stelle ich mir gar nicht erst. Zum einen, weil das ziemlich Natural ist und die Frage nach der Sortentypizität da deutlich schwieriger wird, zum Anderen aber auch weil ich keine Ahnung habe, was typischer Kerner eigentlich wäre. Was ich aber sagen kann, ist, dass das der beste Kerner ist, den ich je getrunken habe. Was auch immer das wert ist.

Den Propeller nehmen wir beim Wort und drehen ihn erstmal mehrmals um die eigene Achse bevor der Kronkorken weichen muss. Wer seinen PetNat also lieber ohne aufgeschüttelte Hefe trinkt, der sollte nicht allzuviel Vertrauen in die jetzt folgenden Worte legen. Das ist leicht mostig aber gleichzeitig sehr sauber. Natürlich riecht es auch nach Hefe. Da ist Zitrus, mehr Pomelo und Grapefruit als Zitrone oder Limette, und eine gute Portion Kernobst. So ein bisschen Streuobstwiese in der Nase und auch auf der Zunge. Da ist sehr frischer Apfel und viel Zug. Je nachdem ob man gerade ein trüberes Glas oder eins mit weniger Hefe erwischt, ist das mal wilder und mal weniger wild. Wie der Stillwein am zweiten Abend bringt auch hier mehr Luft noch mehr Frucht. Da ist süßliche Birne und vor Allem beim Trinken auch Orangina. Aus dem Stand springt das aufs Podest und ist der zweitbeste Kerner (mit Weissburgunder), den ich je getrunken habe. Und für mich ist das ziemlich viel Wert.

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