9.7.2024

Maxime Open 2024 - Tag 1

Auch in Rheinhessen kann man mit dem Bus von Weingut zu Weingut fahren und eine Menge Wein probieren: Unser erster Tag bei der Maxime Open 2024 an der Rheinfront. Heute auf dem Zettel stehen Weinolsheim und Nierstein.

Ein malerischer Blick über die Weinberge von Nierstein mit dem Rhein im Hintergrund. Die Weinreben erstrecken sich in geordneten Reihen den Hang hinab, während im Hintergrund eine kleine Ortschaft mit einer markanten Kirche zu sehen ist. Der Himmel ist klar mit einigen weißen Wolken.

Wenn alle Umstiege so gut funktionieren wie dieses Mal, dann ist so eine Anreise mit der Bahn wirklich viel entspannter als sich mit dem Auto durch Baustellen und Stau zu quälen. So ein Bahnhof direkt im ersten Ort der Tour ist da eine willkommene Abwechslung, im Vergleich zu den letzten Jahren an der Mosel. Aber fangen wir von Vorne an. Wir haben die jährliche Tour an die Mosel ziemlich lieb gewonnen. Mit dem Bus von Weingut zu Weingut fahren, zu Probieren und mit den Winzern zu quatschen, während man sieht wo das, was man trinkt herkommt, hat eine ganz eigene Faszination. Vor zwei Jahren zog dann die erste Ausgabe der Maxime Open in den sozialen Medien an mir vorbei. Genau dieses Erlebnis, nur in Rheinhessen statt an der Mosel. Da war nicht viel Überzeugungsarbeit nötig und ein bisschen Abwechslung ist sowieso immer willkommen. Letztes Jahr hat es zeitlich leider nicht gepasst, dieses Jahr dann schon und so sind wir am vergangenen Wochenende rund um Nierstein an der Rheinfront von Weingut zu Weingut getingelt. Die Maxime Open wird von Maxime Herkunft Rheinhessen veranstaltet, ein Zusammenschluss von über 100 Weingütern der Region. Knapp 60 davon waren als Gast oder Gastgeber bei dieser Runde Maxime Open vertreten. Die Veranstaltung funktioniert so, dass man sein Ticket kauft und dafür den Bus zwischen den Weingütern nutzen darf und an den jeweiligen Stationen die Weine des Gastgeberweinguts und der Gastweingüter verkosten kann. In diesem Fall ist auch noch ein Glas mit im Ticketpreis dabei, das einen durch die Verkostung und anschließend nach Hause begleitet. An der Mosel gab es in den vergangenen Jahren immer ein Glas ab Weingut, das man beim Verlassen wieder abgegeben hat. Die Variante ohne eigenes Glas gefällt mir deutlich besser auch wenn ich verstehen kann warum jeder sein Glas bekommt. Das reduziert Logistik und den Aufwand fürs Spülen deutlich. Trotzdem, so ein immer versiffter werdendes Glas ist nicht so richtig schön. Was passiert, wenn ein Glas die Verkostung nicht übersteht, mussten wir nicht herausfinden.

Nierstein mit seiner Bahnanbindung ist Start- und Endpunkt dieser Tour. Weil die Erfahrung der vergangenen Jahre gezeigt hat, dass das im Umkehrschluss die Winzerstationen da zu eher schlechten persönlichen Startpunkten macht, ist unser Plan für diesen Samstag direkt mit dem ersten Bus nach Weinolsheim zu fahren und dort anzufangen. Wir tauschen etwa 15 Minuten vor tatsächlicher Eröffnung die digitalen Karten gegen Armbänder und stellen uns an die Bushaltestelle. Und stehen dann da erst mal. Der erste Bus kommt später als erwartet und dann auch gleich im praktischen Doppelpack. Beide Busse sind so gut wie leer. Das bringt mich direkt zu einer sehr wichtigen Anmerkung. Dieser Post ist genau ein Blickwinkel auf die Veranstaltung. Andere Leute mögen andere Erfahrungen machen. Wir scheinen es irgendwie geschafft zu haben, vor der größeren Welle durch die Runde zu schwimmen. Wir werden fast den ganzen Tag lang denken, dass ja viel zu wenig los ist für so einen Samstag. Aus vielen Gesprächen gegen Abend und am Sonntag scheint die größere Menge Menschen aber hinter uns in Schlangen für den Digital-Analog-Umtausch oder die Tageskasse gewartet zu haben, um dann in Nierstein loszulegen. Wären sie mal in die leeren Busse gestiegen. Außerdem gilt, was auch schon in den letzten Jahren bei den Moselartikeln gegolten hat: Der Besuch hier ist in erster Linie Urlaub und es ist trotz deutlich kleinerem Programm im Vergleich zur Mosel auch hier unmöglich jeden Wein zu probieren oder jedes Weingut anzusteuern. Wir haben immerhin jede Station geschafft. Wenn im Augenwinkel der Bus kommt, dann bleibt ein Stand vielleicht nur deshalb unbesucht. Was hier nicht auftaucht, hat uns also nicht notwendigerweise nicht gefallen. Wir haben es vielleicht gar nicht erst probiert.

Wir überspringen Schwabsburg und Dexheim, um sie dann in Teil 2 dieses Berichts wiederzusehen, und starten in Weinolsheim an der Station Manz. Wer in der Gegend ist, sollte da allein schon wegen dem Gebäude auf jeden Fall mal vorbei schauen. Das ist eine ziemlich krasse Vinothek, die das Weingut hier hin gestellt hat. Die Terasse mit dem gefühlt ewigen Blick über Reben und Felder tun ihr Übriges für einen beeindruckenden Start in dieses Wochenende. Beim Wein starten wir bei Milch und der Rosé Juliane 23 ist ein genausoguter Weinstart. Struktur, feine Frucht, sehr trocken und ernsthaft. Gefällt. Da tut sich der Blanc de Noirs 23 mit seinem unsortierten Stinker ziemlich schwer danach. Bei Milch sind wir sowieso wegen des Chardonnay. Der Valentin 23 ist ein guter Einstieg, viel Frische, Frucht, etwas zu bitter hinten. Der Im Blauarsch 21 liegt ein Jahr im Holz und ein Jahr in der Flasche. Dicht, intensiv, noch ein bisschen zu erst, dann aber schnell offener. Das hat richtig Kraft und Zug auf der Zunge und ist ewig lang. Sehr stark. Der Nonnengarten Reserve 22 ist reduktiv, noch verschlossener und mit ziemlich viel Holz auf der Zunge. Potentialprobieren. Der Orange Grauer Burgunder 22 hat eine Struktur zum Reinliegen. Beere und Karamell. Stark. Auch, dass er als maischevergorener Weißwein einfach Orange heißt. Ich weiß nicht, wie oft wir “Das ist unser Naturwein” gehört haben. Sagt doch was es ist, das ist einfacher. Weiter zu Achenbach. Ein Mitspieler, wenn es ums beste Label des Wochenendes geht. Ich mag den Wal oben drauf, ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Urmeer. Der Weißburgunder Urmeer 23 ist saftig, schmelzig mit viel Apfel. Vulkangestein 23 Riesling mit reduktivem Stinker, viel Feuerstein und dann Melone. Der Heerkretz 20 viel weicher, ohne Reduktion und auf eine sanfte Art sehr intensiv mit viel Würze. Stark. Die Scheurebe 23 Feinherb hat es als Sommer-Terassenwein dann ein bisschen schwer. Das Weingut Beck Heidesheimer Hof hatte zu jedem Wein auch eine gereiftere Flasche dabei. Das allein ist schon ziemlich sympathisch. Der Weißburgunder Stadecker Horn 21 reift im Holz. Er hat cremigen Druck, wenig Frucht und lebt total von der Struktur. Die Flasche aus 2019 bestätigt das, denn die ist noch viel cremiger und würziger. Mag ich gerne. Der Stadecker Horn Riesling 22 ist noch wild und unsortiert mit viel Zug und etwas Bierhefe. Der Wein aus 2008 heißt zwar anders, ist aber der Vorläufer. Weingesetzdinge. Muss man nicht verstehen und ist eh nicht mehr im Verkauf. Der Wein hat Honig, etwas Butter und eine feine Frucht. Gereift ja, aber 2008 hätte ich nicht getippt. Wie der Horn Riesling ist auch der Elsheimer Marhans 22 noch sehr jung. Knackig ist er noch dazu. Die Variante aus 2017 gefällt mir viel besser. Mineralisch, steinig, feine Cremigkeit und viel Kernobst. Liegen lassen! Bei Manz dann erstmal Kontrastprogramm. Der Sauvignon Blanc Kalkstein 23 mit viel Maracuja und noch mehr Cassis auf der Zunge gefällt vor allem der Mittrinkerin sehr gut. Der Pettenthal 21 Riesling ist in der Nase etwas verhalten mit Kräutern und ein bisschen gelber Frucht. Die Struktur ist aber super, sehr lang und mit viel Grip hinten. Weinolsheimer Kehr 21 mit noch mehr Grip und Biss aber auch mehr Frucht. Bei Karl May ist der Osthofen Riesling 23 ziemlich reduktiv mit vielen Kräutern. Das Jahr mehr Zeit im Goldberg 22 ist gut. Der wirkt sortierter mit viel rotem und grünem Apfel und einer Struktur zum drauf rumkauen. Mega Wein. Da können die beiden Weißburgunder nur verlieren danach und das wird ihnen sicher auch nicht gerecht. Aber so ist das in so einer Probe eben. Beim Geyersberg Pinot 21 denke ich zuerst, dass da nur Frucht ist. Dann kommt aber ein Stinker, etwas Waldboden und immer mehr Struktur, die dann als cremige Kirsche auf der Zunge liegen bleibt. Toll. Grüße gehen auch raus an die ältere Dame, die forsch angestapft, das Glas hinhaltend, nach Karl May verlangt. Mit ihr zieht eine Wolke Parfüm auf, die alles Andere unter sich begräbt. Vielleicht war es also tatsächlich egal, was man ihr einschenkt. Unmöglich da noch irgendwas Anderes zu riechen. Zum Glück mache ich nichts mit Menschen. Steitz stellt den ersten Schaumwein unseres Tages. Pinot Brut Nature mit viel Zug, Dichte und einer feinen Beerenfrucht. Heerkretz 21 noch mit einer ordentlichen Ladung Reduktion, viel Zug und tollem Mundgefühl. Nach so viel Bums hat es der Sonnenberg 22 Chardonnay mal wieder ein bisschen schwer. Ein eher stiller Wein, der die Bühne alleine verdient hätte.

Wir wechseln die Station per pedes. Der, der sich an einer Ampel auf halbem Weg dachte, dass es klug sei jeweils entgegengesetzt einen Pfeil auf jede Straßenseite zu sprühen, die beide in die Mitte zeigen, ohne jede weiteren Pfeile daneben, der hat genau meinen Humor. So groß ist Weinolsheim zum Glück dann aber doch nicht und wir finden unser Ziel. Los geht es im, trotz Tröpfelregen, fast leeren Weinkeller bei Eppelmann. Zweimal Schaumwein, der nicht auf der Karte stand. Der Blanc de Blancs Brut Nature ist richtig gut mit viel Brioche und straffem Zug. Dann drei mal Chardonnay. Terra F 22, im Holz vergoren und auf der Vollhefe im Holz ausgebaut. Feine gelbe Frucht, etwas Holzeinfluss. Die Alte Reben 22 mit exakt gleichem Ausbau aber Trauben aus älteren Anlagen haben deutlich mehr Druck, mehr Cremigkeit und insgesamt einfach mehr. Blume Chardonnay 22 ist noch jung. Viel Zug, feine Struktur und viel Kernobst. Gleiches Spiel mit drei mal Spätburgunder. Terra F Pinot 21 mit leichtem Stinker, etwas Tierstall, Kirsche und Stein. Enorm guter Einstieg. Beim Alte Reben 21 hat jemand, wie schon beim Chardonnay, das gleiche Lied deutlich lauter gedreht. Bockstein 21 Pinot mit viel Säurezug, Grip, Dichte und einer tollen Frucht. Ein genialer Wein zum Weglegen, der aber auch kein Schnapper ist. Trotzdem, oder vielleicht gerade weil sie diese Weine dabei hatten, ist Eppelmann ein Highlight bis hierhin und wird es auch bleiben. Der Blush Rosé Pinot 23 von Wasem Doppelstück ist erst nicht so meins, dann aber ziemlich lecker. Balkonwein. Der Elsheimer Weissburgunder 22 hat viel Cremigkeit, Kernobst und Bienenwachs. Toll. Die beiden Einzylinder sind eine Hommage an den Traktor des Opas. Der Weiße mit Birne und viel Struktur, die nach dem Weißburgunder fast zu ruppig ist, gefällt uns schon gut, der Rote funktioniert garantiert perfekt als Essensbegleiter zu Linsen oder so. Das macht Hunger.

Eine kleine Essenspause später reift die Einsicht, dass zwar schon viel Tag aber noch nicht so viel Probe an uns vorbei gezogen ist. Wir fangen an deutlich mehr Weine zu überspringen. Sonst wird das nichts mit dem Besuch an zumindest allen Stationen. Außerdem ist das der erste Moment, an dem wir denken, dass es sich langsam füllt im Verkostungsraum. Nicht Mythos-Mosel-Samstag-Voll, aber das ist auch gut so. So kann man sich unterhalten und muss nicht nur das Glas in Richtung Flasche strecken und den Wein murmeln. Wagner-Stempel kaufe ich als Christoph-Raffelt-Weinsozialisierter ja sowieso häufig einfach so. Die Gutsweine sind toll, die Scheurebe 23 von ihm mag ich aber auch wirklich sehr. Der Porphyr 23 ist erstmal leise, zeigt dann aber mit Struktur und Länge, warum das jedes Jahr ein sicherer Kauf bleibt. Und auch die Chardonnay Reserve 22 lebt mehr von der Struktur im Mund als von der gerade noch eher holzdominierten, zurückhaltenden Nase. Der Cabernet Blanc 23 bei Huff-Doll ist der erste PiWi des Tages. Maracuja und grüne Paprika. Ihr wisst was das bedeutet. Die Mittrinkerin mag das sehr, ich nicht so. Die Scheurebe ist das gleiche Spiel in Scheurebe. Der Silvaner Horrweil 23 holt mich dann wieder richtig ab. Eher cremig, sehr hell in der Frucht und mit feinem Schmelz. Das ist sehr schön. Die vielen Leute an der Bushaltestelle vor dem Fenster lassen vermuten, dass der Bus schon länger nicht mehr da war und wohl gleich vorbei schaut. Wir stellen uns deshalb dazu.

Die Wohl beste Aussicht des Wochenendes liefert dann die Station Raddeck hoch über Nierstein. So hoch wie das auf den Hügeln hier eben geht zumindest. Der Blick auf Nierstein, den Rhein und den roten Hang dahinter ist aber auch bei wolkenverhangenem Himmel genial. Das ist definitiv einen Stop wert, auch ohne Maxime Open. Los geht es für uns bei Bischel. Der Riesling Gutswein 23 ist erst reduktiv und dann so saftig, dass man gar nicht hinterherkommt. Die fruchtige Säure ist genial. Das legt den Grundstein für das, was der Goldberg 1G 23 Riesling dann im Mund veranstaltet. So viel Zug und Textur. Das tröstet dann auch über die nach erst 2 Wochen auf der Flasche noch unsortierte Nase hinweg. Der Weißburgunder 23 ist der beste Einstiegsweissburgunder des Tages, knackig, straff, geradeaus. Der Weißburgunder Chardonnay 23 mit 40 % Chardonnay und 60 % Weißburgunder ist dunkler in der Aromatik und man spürt die 15 % Neuholz. Wie schon bei den Weinen davor eine tolle Textur. Der Silvaner Bergen 21 legt dann nochmal eine Schippe drauf. Da ist etwas Reifes in der Nase, endlose Länge, erst Struktur, dann Holz, dann Salzkaramell im Mund und viele Kräuter. Das ist so dicht und intensiv. Beeindruckend gut. Einer der Weine des Wochenendes. Die Rieslinge der Steinmühle sind noch ziemlich reduktiv. Mir gefällt vor allem der Riesling Dittelsheim 23 mit viel kargem Stein und Würze. Der Riesling Saulheim 23 von Thörle ist zwar weniger reduktiv, aber trotzdem schwer greifbar. Gefällt mir aber gut. Die 2018 Hölle ist toll gereift, sehr frisch mit toller Frucht und viel Zug. Der Riesling Roter Hang 23 von Gastgeber Raddek ist saftig und mit Kräuterwürze. Der Orbel fühlt sich sehr ähnlich an, nur besser. Gut, dass das dann doch oft so ist, dass der Lagenwein einfach noch einen drauf legen kann.

Die Zeit wird knapper und weil die Uhr am Handgelenk bei zu wenig Bewegung meckert, starten wir zu Fuß in Richtung Ortskern. Klar, dass uns ganz zu Anfang der Strecke der Bus entgegen kommt. Und noch einer fast direkt hinterher. Immerhin ernten wir ein annerkennendes “Ihr seid ja auch schon hier” von einem Pärchen, das uns dann wohl im Bus überholt hat, an der nächsten Station bei Strub 1710. Der Grünfränkisch Zeitensprung 23 von Sander ist ein Strukturwein. Etwas Kernobst, ganz viel Textur. Spannend und ein Kandidat für die Nachverkostung einer ganzen Flasche. Struktur hat auch der Weißburgunder 23. Der besteht sicher auch neben dem Wein von Bischel. Der Riesling Mettenheimer Löss 23 ist da geschmeidiger. Klar, da ist Säure, aber keine Reduktion und irgendwie wirkt es sanfter. Der Chardonnay Amphore 22 ist wie der Name vermuten lässt in 500 Liter Amphoren ausgebaut worden. Das ist sehr schwer greifbar. Kaum Frucht und die Textur ist auch anders, als bei anderen Weinen heute. Das ist cremig, irgendwie gelb, aber total eigenständig. Toller Wein. Hier holt uns dann doch die Welle ein bisschen ein und die Station füllt sich. Das führt dazu, dass wir querbeet und unsortiert den Tag ausklingen lassen. Hier was im Kopf geblieben ist: Mett & Weidenbach Pinot Noir Rosé Brut ist schmackofatz. Der 20 Frühburgunder viel, aber richtig gut. Strub Grüner Veltliner 23 ist ein Rebsortenexot, der kräuterig straff aber gut hierher passt. Der DinoRaw Riesling, bei dem entrappte Beeren mit auf der Vollhefe schwimmen, ist sauber, saftig und ziemlich lecker. Und eines dieser Etiketten, bei denen Leute neben uns den Wein nur deshalb probieren. Ich kann das total verstehen. Die Brüder Dr. Becker haben einen tollen Souvignier Gris dabei. Nur 12 % Alkohol, was bei Souvignier Gris ja leicht mal deutlich höher liegen kann. Tolle Struktur, viel Frische. Der Falkenberg 21 Riesling hat so viel Zug und Stein und Alles, so dass er es spät noch auf die Highlights des Tages schafft. Und wirklich ganz kurz vor Torschluss beenden wir den Tag an der Hotel-nächsten Station bei den Geschwistern Schuch mit einem Saar Riesling Kabi von WillemsWillems. So ein Tag ganz ohne Kabi geht dann doch nicht.

Das war es dann mit diesem ersten Tag. Eine für mich überraschende, aber irgendwie ganz logische Erkenntnis kam schon ziemlich früh: Obwohl mein trinkendes Ich es großartig findet, wie viel diverser das Sortiment hier ist im Vergleich zum ganzen Riesling an der Mosel, für mein verkostendes Ich ist das ein Problem. Alles fängt viel schneller an zu verwischen. Weil der Kopf und die Zunge sich ständig umstellen müssen, ermüdet man viel schneller. Wenn das Hirn sowieso schon Riesling erwartet, dann ist es viel einfacher die Nuancen zu finden. Silvaner, Chardonnay, Riesling, Pinot und dann noch der ganze Jahrgangsmischmasch. Das ist anstrengend irgendwann und wenn man nicht aufpasst, dann schmeckt alles irgendwie gleich. Überhaupt auch die Jahrgangstiefe. An der Mosel habe ich nur dazu geschrieben, wenn etwas nicht der aktuelle Jahrgang war. Hier ist es all over the place, was natürlich daran liegt, dass auch viele Weißweine erstmal im Holzfass liegen. Eine Einschätzung zu 2023 macht das nicht einfacher. Und ich habe das Gefühl, dass einem Reduktion hier viel mehr ins Gesicht springt als an der Mosel. Wenn die meisten Weine sowieso mehr oder weniger reduktiv sind, dann fällt das viel weniger auf. Trotzdem mag ich die Vielfalt an Weinen, die man bei der Maxime Open probieren kann. Und mit den Produzenten quatschen, während man deren Weine trinkt, ist überhaupt immer wieder großartig. Ein kleines Fazit wird es nach dem Bericht zum zweiten Tag geben, für diesen ersten Tag ist hier jetzt wirklich Schluss.

Eine Collage aus drei Bildern: Links eine Gruppe bunter Schafskulpturen vor bewölktem Himmel und grünen Weinreben, in der Mitte ein alter, steinerner Türrahmen mit einem Gitter, durch das man einen Weinberg im Hintergrund sieht, rechts eine Keramikfigur eines Huhns vor einer rustikalen Scheune mit roter Türe.

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