22.2.2026

Michi Lorenz - Supernova 2020

Weiter geht es in Österreich mit einer Flasche Supernova Morillon 2020 von Michi Lorenz.

Auf einem Holztisch steht eine Flasche Supernova von Michi Lorenz. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen, vor der Flasche liegt der Korken am Kellnermesser.

Wir bewegen uns vom Burgenland in der letzten Woche eine Weinbauregion weiter in den Süd-Osten Österreichs, denn wir trinken heute Steiermark. Genauer gesagt Südsteiermark, nahe der Grenze zu Slowenien, noch genauer, das Sausal. Schiefer prägt die Böden der Hügel hier, die immerhin bis zu 600 Meter über den Meeresspiegel hinaus ragen. Ich würde das ja instinktiv Mittelgebirge nennen, aber ehrlicherweise weiß ich nicht im Geringsten, was die genaue Definition für ein Mittelgebirge ist. Seit dem 17. Jahrhundert macht Familie Lorenz in dieser Gegend Wein. Michi Lorenz, die aktuelle Generation Lorenz, kann also auf eine beachtliche Tradition zurückblicken. Nicht unbedingt das, was man erwartet, wenn man die Flasche mit Etikett zwischen Rorschachtest und Tie-Dye-Guy auf dem Bild anschaut. Die schreit vielmehr laut Quereinstieg mit einem halben Hektar oder so ähnlich. Tatsächlich sind es um die 16 Hektar, die Michi Lorenz bewirtschaftet, der 2019 das Ruder übernommen hat. 2020 ist also erst sein zweiter voller Jahrgang.

Dass großartiger Natural und lange Tradition sich nicht ausschließen müssen, das wissen wir spätestens seit den Weinen vom Staffelter Hof. Und Natural steckt auch mit all der Tradition des Weinguts in dieser Flasche. Die Morillon Trauben, hierzulande nennen wir das Chardonnay, wachsen wie schon angesprochen auf einer Mischung aus grauem und rotem Schiefer. Es folgt eine Zeit auf der Maische und Ausbau in Holzfässern, bevor der Wein ohne Schwefel und auch ohne sonstige Beeinflussung auf die Flaschen gezogen wird.

Orange und ich, das ist nicht unbedingt eine Liebesgeschichte und die Stückchen an Heferesten und was weiß ich noch, die da im Glas ihre Schwimmrunde drehen, die stoßen gegenüber am Tisch auch auf deutlich größere Begeisterung als bei mir. Zwischen ungefiltert und ungefiltert, da ist eben doch ganz schön viel Platz. Aber so richtig Orange, nein so richtig Orange sieht das auch nicht aus. Die Farbe, die ist so gar nicht Orange, klar, trüb ist das, aber dann doch erstaunlich hell. Das erste mal Riechen zeigt dann aber schnell, wo die Reise hingehen wird. Das riecht, wie das Label aussieht. Und das meine ich ganz und gar nicht despektierlich.

Das riecht nach Limo, ohne die Süße, nach Rauch, nach Nuss und einer Frucht irgendwo zwischen gelb und orange. Hehe, orange. Rauch und Orange schmeckt man dann auch. Wie viel Chardonnay da noch im Chardonnay ist, das ist keine Diskussion, die ich führen werde. Technisch korrekt sind nämlich 100% und wir wissen alle, dass das die beste Art von korrekt ist. Das wirkt tonisch, frisch mit viel Zug und dann Tannin dahinter. Das ist wild und sauber gleichzeitig und schafft damit den Ritt auf der Rasierklinge, der für mich genialen Orange ausmacht. Denn eigentlich mag ich das gar nicht so gerne, aber dann will ich doch nochmal einen Schluck und dann nochmal einen und warum eigentlich nicht und zack ist das Glas leer. Die Säure bringt mächtig Druck ins Glas und auch die schafft die Gratwanderung, so dass ich es richtig gerne weiter trinke. Je länger man den Wein über die Zunge spült, desto klarer wird er, desto sauberer und desto weiter rückt das Tannin in den Hintergrund. Die Säure zieht einem aber auch noch lange nach dem Schlucken die Spucke aus den Backen. Das ist schon echt gut. Faszinierend.

Der zweite Abend ist noch unfruchtiger. Mehr Würze, mehr Struktur. Aber insgesamt hat sich der Wein kaum verändert, was bei einem fünf Jahre alten Naturwein auch irgendwie erstaunlich ist. Die neigen auch in dieser Preisklasse dazu auseinanderzufallen. Nicht dieser hier. Der Rauch ist noch da, es ist herber, mit noch mehr Zug, wenn das überhaupt geht. Das macht richtig Zing in der Zungenmitte. In mein Ohr hallt es derweil Pommelo, nein, Kumquat, nein Pommelo. Da kann ich gut mitgehen, auch wenn ich weder das eine noch das andere gerne esse. Die bittere Herbe mit dem Zug auf der Zunge, das ist eine geniale Kombination. Vielleicht nicht die einfachste Kombination, aber durchaus eine Geniale.

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