15.2.2026

Zwei Flaschen Wachter-Wiesler

Als Start in eine kleine Österreich-Reihe, trinken wir vom Weingut Wachter-Wiesler ein rosa Handgemenge 2024 und einen Blaufränkisch Eisenberg 2022.

Auf einem Holztisch stehen zwei Flaschen Wein vom Weingut Wachter-Wiesler mit dem Hund auf dem Label. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen. Vor den Flaschen liegt ein Korken am Kellnermesser.

Thematisch zusammenhängend trinkt es sich am schönsten. Finde zumindest ich. Gar nicht mal so sehr wegen des vielleicht erhofften Erkenntnisgewinns, aber man grooved sich so schön rein und wenn man dann einen Zusammenhang findet, eine Linie, ein verbindendes Element, dann freut man sich umso mehr, und wenn nicht, dann ist auch egal. Bei der letzten Runde SchmelzPerlage&Bodensatz war Jakob Schönberger aus dem Burgenland in Karlsruhe und ich dachte mir, dass ein bisschen mehr Österreich trinken schon länger auf dem Zettel steht. Wo wir doch nur eine einzige Flasche von da im ganzen letzten Jahr hier hatten. Warum also nicht jetzt, denn Blaufränkisch liegt dem inneren Schwaben sowieso am Herzen. Auch wenn der natürlich Lemberger dazu sagt. Und der Bogen von Karlsruhe zu den Flaschen heute könnte sich nicht leichter spannen lassen, denn auch Wachter-Wiesler macht Wein im Burgenland, ebenfalls an der ungarischen Grenze, allerdings ein gutes Stück südlich vom Neusiedlersee, am Eisenberg. Ach ja, Tieretikett gibt es als Bonus noch dazu.

Das Weingut selbst gibt es noch gar nicht so lange, erst 1999 legten Béla Wachter und Jòska Wiesler die getrennten Weingüter zusammen. Andererseits ist 1999, das wie gestern klingt, inzwischen auch 27 Jahre her. Scheiße, man wird älter. 2008 übernahmen die Geschwister Christoph und Julia Wachter das Ruder. 2015 wurde auf Bio umgestellt, seit 2018 zertifiziert. Das Ziel war von Anfang an herkunftsgeprägte, große Weine vom Eisenberg zu machen. Das passiert auf inzwischen 16 Hektar Rebfläche. Die Weine werden von Hand gelesen, spontan vergoren und dann langsam im großen Holz ausgebaut. Oder im Falle des rosa Handgemenge auch teilweise im Edelstahlfass. Handgemenge ist der leicht wilde Einstieg in die Weine des Weinguts, in der rosa Variante ist das eine Cuvée aus Blaufränkisch, Merlot und Zweigelt. Außerdem trinken wir noch einen reinsortigen Blaufränkisch Eisenberg DAC, ein Ortswein aus dem Mittelbau der Qualitätspyramide.

Los geht es mit dem Handgemenge. Das ist Rosé, wie ich gerne Rosé trinke. Das stinkt ein bisschen, nein, eigentlich hat das einen kapitalen Stinker mit matschigen Beeren, Schießplättchenreduktion und einer wilden Note dahinter. Irgendwie wirkt das schon beim Riechen mehr wie leichter Rotwein. In der Farbe übrigens auch, was man auf dem Bild ganz gut erkennen kann im Hintergrund. Das ist enorm saftig, kühl und frisch beim Trinken. Eher säuerliche Beeren, eine leicht cremige Frucht, ein paar Erdbeeren dabei. Unkompliziert würde ich sagen, sofern Wein mit so einem Stinker unkompliziert sein kann. Hängt wohl vom Trinker ab. Vielleicht würde das noch besser in den Sommer passen, als in den trüb-kalten Februar, aber Spaß macht das auch jetzt.

Die Nacht nimmt die Kante ab. Es ist cremiger, dunkler in der Frucht und etwas würziger auf der Zunge. Es ist noch eine Idee mehr zu hellem Rotwein geworden. Nicht, dass ich das in irgendeiner Form bemängeln würde. Im Gegenteil, so passt er noch besser zum kalten Wetter. Alles ist enger zusammengerückt, das Wilde bleibt, wirkt aber weniger direkt. Wer also hadert, direkt nach dem Aufziehen, der kann es durchaus mal mit richtig viel Luft versuchen. Vielleicht hilft das ja. Ich mochte beide Abende ähnlich arg. Und für etwas über 10 Euro gibt es da eh keinen Grund zu meckern.

Der Eisenberg erinnert kurz an Brausetablette. Nur kurz tatsächlich. Dann folgt eine intensive Mischung aus würzigem Holz und einem Zusammenspiel von dunklen Kirschen und Brombeere. Da ist etwas Ätherisches, da steht auch irgendwo eine offene Flasche Uhu am anderen Ende des Tisches. Nur so, dass man es merkt, nicht störend. Das ist großartig vom ersten Riechen an. Der Geschmack kann glücklicherweise mithalten. Das Tannin packt vorne die Zungenspitze, dann kommt ganz viel Frucht, so viel, dass man kurz an süßen Nachtisch denkt. Die Vanille hilft da sicherlich. Dann kommt aber so viel Vanille, dass es die Zungenmitte austrocknet, bis der nächste Schluck wieder Kirschen und Beeren bringt. Wie man Blaufränkisch beziehungsweise Lemberger nicht abfeiern kann, ich werde es nie verstehen. Das ist ernsthaft, tief, komplex und gleichzeitig so saftig, dass selbst große Schlücke nicht groß genug wirken.

Und auch dieser Wein wird dunkler über Nacht. Wilder irgendwie und würziger. Die Frucht ist nicht mehr ganz so intensiv, nicht mehr so süß. Dafür hat er jetzt Brombeerblätter, charmantes Gestrüpp und Wermut. Der gestern noch packende Gerbstoff, der ist abgeschmolzen. Fast cremig fühlt sich der Wein inzwischen an, lang und dann ganz hinten erst kommt die fruchtige Säure dazu. Und auch die Vanille wurde von Kräutern und etwas Bitterlikör ersetzt. Das ist immernoch fruchtig beim Trinken, aber heute nicht, weil man Beeren schmeckt, sondern weil die Säure so sehr an Fruchtsaft erinnert. Faszinierend, wie anders der Wein heute ist. Was ich lieber mag? Schwierig. Klar, da ist jetzt mehr Tiefe, mehr zu entdecken, aber die Frucht am ersten Abend. Die war schon auch sehr, sehr schön. Und wie schon beim rosa Handgemenge, ich will mich nicht festlegen müssen, welcher Abend besser schmeckt. Wo ich mich aber festlege, ist dass das ein wirklich gelungener Start in diese Reihe ist.

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