Jakob Schönberger - Waldacker Neuburger 2020
Wir trinken zum Abschluss der kleinen Runde durch Österreich nochmal Burgenland: Von Jakob Schönberger eine Flasche Neuburger Waldacker 2020.

Es hätte sich nicht richtig angefühlt, diese Runde durch Österreich zu drehen, ohne dabei auch einen Wein von Jakob Schönberger auf dem Tisch zu haben. War er letzten November in Karlsruhe doch ein bisschen der Auslöser für diese Reihe. Jakob Schönberger übernimmt das Weingut von Günther Schönberger, der dem Publikum in Karlsruhe zumindest vor allem musikalisch bekannt war. Erste Allgemeine Verunsicherung. Für mich war das eher Gelegenheit zur Feststellung, dass ich ja dann vielleicht doch noch ziemlich jung bin im Vergleich, denn mehr als einen verwirrten Blick löst EAV bis heute nicht aus. Auch irgendwie einfach so gar nicht meine Musikrichtung. Günther jedenfalls ist 1996 ausgestiegen und seit dem hauptberuflich Winzer. Inzwischen hat Jakob übernommen und bewirtschaftet etwa 10 Hektar rund um Mörbisch am Neusiedlersee im Burgenland. Wie so oft in den letzten Wochen liegen auch hier die Weinberge grenznah, in diesem Fall zu Ungarn. Wobei grenznah eine Untertreibung ist, denn viel grenznäher als Mörbisch wird schwierig. Wer wirklich tief eintauchen möchte in die Causa Schönberger, der kann sich den Abend in Karlsruhe auch anhören. Die Reben für den Wein heute stehen in einer mörbischer Einzellage namens Waldacker, die ich aber auf keiner Lagenkarte gefunden habe. Die Weinberge werden biodynamisch bewirtschaft, bio ist man im Hause Schönberger schon seit 1991. Die Wurzeln wachsen hier in Lehm, der Blick geht auf den See, der das Mikroklima vor Ort natürlich stark beeinflusst. Neuburger ist eine autochthone Rebsorte in Österreich, die ich reinsortig jetzt zum ersten mal im Glas habe. Ausgebaut wird der Wein nach spontaner Gärung für fast drei Jahre im gebrauchten Holzfass.
Blind wäre ich hier im Jura. Sehr nussig, ein bisschen Klebstoff, flüchtige Säure, Kernobst dahinter, aber nicht viel. Das ist tatsächlich sehr fruchtfern. Dann beim Trinken erstmal Cremigkeit, dann gelb, dann kommt der Säurekick in der Zungenmitte und zum Schluss legt sich der Wein hinten oben am Gaumen an genau die Stelle, an der man sich normal verschluckt und dann minutenlang hustet. Und da bleibt er dann. Das ist für mich, mal wieder, an der Grenze zu dem, was ich an flüchtiger Säure trinken mag. Aber auf der Seite, auf der ich es noch mag. Der Welschriesling am Verkostungsabend, der war auf der gegenüberliegenden Seite. Aber ich bin da eben empfindlich. Ich mag den Wein, aber für große Schlucke hat er mir zu viel Punch. Der Mittrinkerin geht das nicht so und sie feiert das gerade sehr. Zwischen den Schlucken taucht immer wieder die gelbe Frucht auf, die sich aber nie so richtig einfangen lassen will. Wie typisch Neuburger das ist, das kann ich wie schon geschrieben, sowieso nicht beurteilen. Ich muss nur schmunzeln, weil überall beim Googlen säurearm steht. Das ist der hier ganz sicher nicht.
Erst denke ich am zweiten Abend kurz, dass sich nichts getan hat. Die zweite Nase ist dann aber so kräuterig und überhaupt nicht mehr nussig, dass ich diese Einschätzung schnell zurück ziehe. Erst ist da auch kein Klebstoff mehr, der aber nach zwei, drei Drehungen im Glas wieder laut Hallo ruft. Ich traue es mich gar nicht zu schreiben, aber irgendwie trinke ich mich in diese Säurekante rein. Das kickt einem kurz vor dem Runterschlucken nochmal so richtig gegen den Gaumen und irgendwie hat das was. Vorne Frucht, Cremigkeit und dann der Kick. Da ist ein Strauß Minze dazwischen, was Beeriges und das Kernobst. Das ist bei mir immer noch kein Wein für große Schlucke oder den Durst, das ist Streberwein. Ein Glas reicht mir tatsächlich. Nicht weil es satt macht, aber weil ich zu viel darüber nachdenken muss beim Trinken. Das ist auch keine Kritik, das ist eine Feststellung, denn ich mag ihn wirklich sehr. Aber eben in kleinen Schlucken. Und ins Jura würde ich ihn blind auch jetzt noch stecken.
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