Knoll - Ried Kreutles Smaragd Grüner Veltliner 2024
Wir trinken diese Woche aus der Wachau vom Weingut Knoll eine Flasche Ried Kreutles Smaragd Grüner Veltliner aus 2024.

Wir müssen direkt zu Anfang zwei Themen aufmachen. Ja, Smaragdweine kann man lange weglegen, ja, 2024 wurde offensichtlich nicht besonders lange weg gelegt. Dafür trinken wir den Wein über drei Abende und überhaupt sehe ich da jetzt kein besonders großes Problem. Dann das Etikett. Jedes mal wenn ich eine der Knoll-Flaschen sehe, frage ich mich, ob ich das richtig gut oder richtig furchtbar finde. Und allein die Tatsache, dass ich mich das seit Jahren immer noch frage, ist irgendwie faszinierend. Ich bin kein Marketingfuzzi, ganz im Gegenteil, ich tue sehr viel dafür in meinem Arbeitsleben viel Platz zwischen mir und Marketing und/oder Sales Projekten zu haben. Als Pufferzone des Seelenfriedens. Das bedeutet aber auch, dass mein Urteil zu Labels auf gerade mal meiner persönlichen Meinung basiert und erschwerend kommt hinzu, dass eine Stichprobengröße von eins eine sehr kleine Stichprobe ist. Zwei ehrlicherweise, aber Gegenüber findet das Etikett furchtbar und das schon immer. Aber auch sie muss anerkennen, dass man im Wirtshaus selbst im Halbschatten und mit neun Tischen Abstand dazwischen am anderen Ende der Stube garantiert eine Flasche Knoll auf dem Regalbrett erkennt. Wenn ich an Wein aus Österreich denke, dann ist das hier das Etikett das mir dazu einfällt. Und das ist noch viel faszinierender tatsächlich. Ziemlich viel richtig gemacht würde ich sagen.
Der Kollege auf der Flasche ist übrigens der heilige Urban, Schutzpatron der Winzer. Und damit auch Schutzpatron der Familie Knoll, die inzwischen um die 16 Hektar in der Wachau vor allem mit Riesling und grünem Veltliner bewirtschaftet. Moderner Kram wie eine eigene Homepage? Wozu? Ein Bild vom heiligen Urban und eine Verlinkung zum Weingutseintrag bei Vinea Wachau tun es doch auch. Irgendwie konsequent. Die Vinea Wachau, ein Zusammenschluss von Betrieben aus der Wachau, ist es auch, die für die Einstufungen Steinfeder, Federspiel und Smaragd verantwortlich ist, die einem vor allem etwas über den Stil des Weines sagen. Smaragd bedeutet demnach komplex und langlebig, mindestens zwölfeinhalb Prozent und ohne Holz. Die Trauben für diese Flasche wachsen in der Ried Kreutles am Fuß des Loibenbergs auf Lössboden mit Blick auf die Donau.
Der Wein riecht noch ziemlich nach Hefe direkt nach dem Öffnen. Vielleicht waren wir zu neugierig. Aber wir haben Zeit. Die Frucht dahinter ist cremig, eher dezent und nicht so richtig einzusortieren. Da ist was Blumiges, ein bisschen Energietraubenzucker, ein bisschen Kernobst. Der erste Schluck wirkt harmlos, täuscht aber. Das ist lang, cremig und hintenraus salzig. Ein Wein, der sich langsam aufbaut, der Struktur hat ohne mit der Struktur direkt ins Haus beziehungsweise auf die Zunge zu fallen. Das ist weich und zupackend in einem und entzieht sich damit der Beschreibung. Fast zähflüssig liegt der Veltliner dann im Mund rum und hat gleichzeitig richtig Spannung. Jetzt so ein Wiener Schnitzel. Das wärs. Vielleicht auch, weil der Kreutles Federspiel von Knoll in Freiburg zu exakt so einem Schnitzel ganz wunderbar gepasst hat.
Es gab diese Woche aber leider kein Schnitzel. Dafür einen zweiten Abend mit dem Wein. Auch an diesem Abend lässt mich die Sehnsucht nach einem flach geklopften Lappen Kalbfleisch in feiner Panier mit Erdäpfelsalat nicht so wirklich los, aber was will man machen. Der Wein riecht genau wie am ersten Abend nur ohne den hefigen Start. Etwas mehr von allem vielleicht. Mehr Traube, mehr blumig, mehr Duft. Und wieder startet der erste Schluck leise um sich dann aufzubauen. Das Mundgefühl ist großartig, das Ölige ist da, an den Zungenrändern die Birne und gelber, sehr reifer Apfel und obwohl der Wein wirklich jung wirkt, wirkt er nie unfertig. Das passt schon so. Aber einen dritten Abend, den gönnen wir uns.
Die Textur wird noch eine Stufe besser. Das lebt komplett davon, wie es sich anfühlt. Normal kommt Strukturwein oft übers Kernige, etwas, das der Veltliner hier überhaupt nicht hat. Und trotzdem ist das Strukturwein. Dass drei Abende keine Zeit für so einen Smaragd sind, das ist nur eine beruhigende Randnotiz. Ein paar Jahre im Keller, ein paar viele Jahre im Keller, werden es auch nicht sein. Aber falsch den Korken zu ziehen war es ebenso wenig. Weil das auch jetzt schon richtig gut ist. Vielleicht läuft mir ja mal einer gereift über den Weg.