29.3.2026

Zwei Flaschen Fürst

Wir trinken diese Woche zwei Spätburgunder aus Franken vom Weingut Fürst: Einen Bürgstadter Ortswein aus 2023 und eine Erste Lage Bürgstadter Berg 2022.

Auf einem Holztisch stehen zwei Flaschen Wein vom Weingut Fürst. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen. Vor den Flaschen liegen die Korken am Kellnermesser.

Noch so ein Weingut, das ich schon länger mal probieren wollte. Deshalb trinken wir auch diese Woche nochmal Spätburgunder aus Deutschland. Franken um genau zu sein und zwar die Rotweinecke Churfranken nur unweit von Klingenberg am Main, von wo wir schonmal Pinots hier im Blog hatten. Auch schon wieder ein paar Jahre her muss ich feststellen. Einer der Namen, die beim Thema Spätburgunder aus Deutschland auf jeden Fall auf den Tisch gelegt werden ist Fürst. Die Familie Fürst jedenfalls kann auf eine Weinbautradition bis ins 17. Jahrhundert zurückblicken. Rudolf Fürst, der dem heutigen Weingut seinen Namen leiht, hatte einen Mischbetrieb, wie das früher mehr die Regel als die Ausnahme war, in Bürgstadt am Main. 1979 übernehmen Paul und Monika Fürst das Weingut und bauen neue Gebäude direkt in den Centgrafenberg, der bis heute die Lage ist, die man mit Fürst als erstes in Verbindung bringt. 2007 steigt Sohn Sebastian nach Studium in Geisenheim mit ein und auch die potentiell nächste Generation steht schon bereit. Und auch Pinot spielt schon seit langer Zeit eine wichtige Rolle im Weingut. Der steht um Bürgstadt herum vor allem auf Buntsandstein. Ein paar Lagen sind gegenüber der Stadt auf der anderen Mainseite zu finden, die mit den großen Namen, also Centgrafenberg und Hundsrück, ziehen sich entlang dem Nebenfluss Erf gen Osten mit Ausrichtung der Hänge direkt nach Süden.

Wir probieren heute einen Ortswein aus Bürgstadt aus dem Jahr 2023 und eine erste Lage aus dem Bürgstadter Berg aus 2022. Das ist im Haus Fürst im Prinzip der Zweitwein hinter den beiden genannten großen Lagen, aus Trauben aus den großen Lagen, die es nicht in die großen Weine geschafft haben. Beide Weine werden in einer Variante spontan im Holzbottich vergoren, in der ein paar Trauben ganz bleiben und man so ein bisschen eine Mischung aus klassicher Vergärung und Maceration Carbonique hat. Im Ortswein ist etwas unter einem Drittel ganze Trauben, in der ersten Lage sind es um die 60%. Ausgebaut wird dann in einer Mischung aus alten und neuen Barriques.

Wir starten mit dem Ortswein und der startet für ein paar Momente extrem karg. Aber mit jeder Stunde an der Luft öffnet sich der Wein. Die Frucht wird fruchtiger, das Holz holziger und die Würze würziger. Das ist extrem spannend mit anzuschauen oder viel mehr anzuriechen. Da ist Marzipan, etwas Vanille und eine kühle, sehr kirschige Frucht, die wirklich Spaß macht. Aber die Zeit an der Luft war mehr als nötig fürs Aroma. Am Besten schon mittags aufmachen, wenn man das abends trinken will. Das hat Grip, Textur von der Mitte bis ganz raus an den Zungenrand, die dann einfach liegen bleibt. Die Säure ist frisch und kühl, wie auch die Frucht in der Nase schon ist und mit dem Wein im Mund wird es beim Riechen immer charmanter.

Am zweiten Abend müssen sich beide Weine mit anderen Gläsern begnügen. Wir sind unterwegs und haben zwar die Weine unter den Arm geklemmt, die Gläser aber zu Hause gelassen. Es ist unfruchtiger am zweiten Tag, kühler, würziger. Da ist frisches Holz, ganz wenig Kirsche und Stein. Viel Zug hat er immer noch, die Vanille ist da auch. Das ist saftig und irgendwie auch einfach lecker. Je mehr man schlürft, desto mehr packt der Gerbstoff. Und dann nicht nur die Zunge, sondern einfach den ganzen Mund. Ein interaktiver Rotwein quasi, dessen Tanninstrukturerlebnis man durch sehr gesellschaftstaugliches Schlürfen beim Trinken selber einstellen kann. Spaß für alle am Tisch.

Im Gegensatz zum Ortswein, kann die erste Lage das Gefühl von Distanz auch nach ein paar Stunden in der offenen Flasche nicht ganz hinter sich lassen. Das ist feiner, leiser und trotzdem dichter und vielleicht auch einfach präziser als der Ortswein. Auf jeden Fall wirkt es ernster. Weniger Frucht, eine große Portion Ätherik, die ich so überhaupt nicht im Ortswein finde, mehr Marzipan, keine Vanille und trotzdem eine gute Portion Holz. Ich finde, dass das eine ganz großartige Paarung von erster Lage und Ortswein ist, auch wenn sie nicht aus dem selben Jahr kommen. Man hat so sehr das Gefühl, dass hier auf dem gleichen Fundament einfach noch ein Stock weiter in die Höhe gebaut wurde. Dieses Mehr an dunklerer Tiefe, die lässt einen die Nase immer einmal öfter ins Glas strecken. Die Würze, die einem die Zunge jedes mal ein bisschen anders packt, die Struktur, die Feinheit in der Frucht. Das ist ohne Zweifel, der größere Wein. Aber der Wein für den nächsten großen Schluck, das ist der Bürgstadter.

Tatsächlich hilft ein Tag. Da ist jetzt Brombeerstrauch, wobei nein, da ist Johannisbeerholz. Das gab es im Etz in der alkoholfreien Getränkebegleitung, eingelegt in Zucker. Wir haben gelernt, dass manche schwarze Johannisbeeren riechen im Holz und manche nicht. Und wir haben Glück, die im Garten riecht und jedes Frühjahr fallen sowieso jede Menge Abschnitte an, da alte Triebe komplett entfernt werden. Wir haben also selber so ein paar Abschnitte in Zucker aufgekocht und ziehen lassen. Und genau so riecht das im Wein. Immer hilfreich, wenn man das, was das Unterbewusstsein vorschlägt auch aus der Schublade, oder hier dem Kühlschrank, im echten Leben ziehen kann. Und dann tatsächlich vergleichen. Mehr Tannin hat der Wein heute, samtig, aber schon mit Power, und etwas mehr Kirsche. Ich bleibe dabei, wer mal Ortswein mit erster Lage vergleichen will, das hier ist eine Kombination die exakt das abbildet, was dieser Vergleich anbieten sollte. Und heute an diesem zweiten Abend ist auch diese Flasche eine für die großen Schlucke. Und das Stockwerk mehr, das lohnt sich tatsächlich richtig. Es braucht einfach ein bisschen mehr Zeit um loszulegen.

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