12.4.2026

Zwei Flaschen Azul Y Garanza

Wir trinken von Azul y Garanza aus Spanien eine Flasche Piripi Tempranillo und einen Suelovivo Garnacha aus 2023.

Auf einem Holztisch stehen zwei Flaschen Wein vom Weingut Azul y Garanza. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen. Vor den Flaschen liegen die Korken am Kellnermesser.

Was passiert, wenn die Liebste Podcastpakete bestellt und “mal noch kurz schaut, was es sonst so gibt”, das sehen Sie an diesem Exponat. Lustig gemalte Delfine passieren dann. Und was passiert, wenn ich vergesse das Rücketikett zu fotografieren, das sieht man daran, dass der Piripi Jahrgang fehlt. Zwei Profis am Werk in diesem Haushalt. Macht man nix. Azul y Garanza, blau und rot, okay karmin- oder purpurrot, aber für mich ist das alles das selbe, machen auf etwa 40 Hektar seit 1999 Wein in Navarra in Nordspanien. Das, was sich wie gar nicht so lange her anfühlt, ist inzwischen dann auch über ein Vierteljahrhundert. Und wieder einmal wird mir bewusst, wie groß die Weinwelt ist, und wie wenig weit ich eigentlich in ihr herumgekommen bin, denn beim Stichwort Navarra geht im Kopf keine einzige Schublade auf. Und dabei trinken wir schon ziemlich am Tellerrand vorbei. Von Anfang an werden die Weinberge biologisch bewirtschaftet, damals noch eher exotisch, inzwischen im Mainstream angekommen. Die Weinberge und das Weingutsgebäude haben mal einer Genossenschaft gehört, irgendwie lustig, wie sich das dann entwickelt hat. Die Trauben werden im Betontank spontan vergoren, es wird minimalinvasiv gearbeitet. Der Piripi mit dem beschwippsten Delfin ist reinsortiger Tempranillo und, wie schon geschrieben, ich weiß nicht mehr welcher Jahrgang, denn die Flasche ist weg und ich habe kein Bild gemacht. Er ist natural, das weiß ich, und ohne Schwefel oder Filtern gefüllt nachdem er zwei Jahre im Betontank ausgebaut wurde. Der Suelo Vivo, die Heuschrecke, ist reinsortiger Garnacha Tinto, auch als Grenache bekannt, der sich ob der Farbe irgendwo zwischen sehr dunklem Rosé und sehr hellem Rotwein bewegt.

Der Piripi ist voll von dunklen Früchten, ein paar Kräutern und ein winziges bisschen Struktur ist dabei. Da sind Pflaumen und Bitterlikör und noch viel mehr als den Geruch mag ich, wie es sich anfühlt wenn man schlürft. Dabei fällt es mir total schwer zu beschreiben, wie es sich eingentlich anfühlt, wenn man schlürft. Das macht auf jeden Fall etwas mit dem Wein auf der Zunge. Da kommt zur Saftigkeit die genau richtige Menge feiner Gerbstoff dazu und es wird gleichzeitig fruchtiger. Granatapfel tönt es von gegenüber und das passt sehr gut. Lecker ist das, noch leckererer leicht gekühlt.

Die Frucht wird roter und reifer über Nacht. Kirsche, dunkle Beeren und ein Stück Schokolade. Der Gerbstoff ist fast verschwunden, der Bitterlikör ebenso. Das ist immer noch sehr lecker, aber leider auch irgendwie harmlos heute. Der erste Abend hatte da mehr Punch und der fehlt mir heute. Geschmackssache sicherlich, denn abgebaut hat da nichts, es ist einfach anders geworden.

Die Heuschrecke haben wir ebenfalls eingekühlt. Ich weiß nicht, aber irgendwie zwingen mich so helle Rote unterbewusst zum Kühlschrank. Und das war tatsächlich eine gute Idee. Das ist praktisch gekühlter, roter Früchtetee, etwas Gerbstoff, rote Frucht, Blaubeeren, getrocknete Cranberries und etwas körnige Würze auf der Zunge. Das ist so Wein, bei dem man nach drei Schlucken nicht weiß, wie drei Schlucke das Glas leeren konnten, aber wenn es schonmal leer ist, dann schenkt man eben nach. Das ist Sommerwein, der aber auch bei Dachfenster und Vollsonne funktioniert, wenn es draußen noch angenehm frisch bleibt.

Ein Tag später bleibt der Wein gekühlter, selbstgemachter Früchtetee mit Alkohol. Das ist eine gefährliche Mischung, weil Alkohol, denn den schmeckt man so überhaupt gar nicht, wird ihn aber irgendwann deutlich spüren. Da ist schon Tiefe, die Frucht ändert sich auf der Zunge, etwas Vanille, eine leicht holzige Struktur, etwas Würze. Aber eigentlich, eigentlich ist das unaufgeregter Wein für große Schlucke. Saufwein. Richtig gut und ein Kandidat fürs Nachbestellen um dann auch bei 35 Grad eine Flasche aus dem Kühlschrank ziehen zu können. Vielleicht sogar mit Eiswürfel. Wenn man sich gut genug versteckt, dann darf man das mal machen. Muss ja niemand mitbekommen.

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