19.4.2026

Zwei Flaschen Daniel Schweizer

Wir trinken von Daniel Schweizer aus Württemberg eine Cuvée Weißer Brunnen 2022 und ein Burg und Berg, Spätburgunder und Syrah, aus 2021.

Auf einem Holztisch stehen zwei Flaschen Wein von Daniel Schweizer. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen. Vor den Flaschen liegen die Korken am Kellnermesser.

Weisheiten, die Winzer auf Baumrinde drucken. Heute: Lieber voll verkacken als im Ansatz scheiße. Daniel Schweizer, der unser Leben mit diesen Worten bereichert, macht seit 2014 minimalinvasiv Wein westlich von Heilbronn in Schwaigern im schönen Württemberg. Die Weinberge dafür liegen rund um Stetten am Heuchelberg (das am Heuchelberg ist wichtig, denn es gibt mehr als ein Stetten in dem Wein gemacht wird). Weder Schwaigern noch Stetten a.H. dürften beim Großteil der Weintrinker eine Flagge auf der inneren Landkarte aufploppen lassen, aber vielleicht ändern wir das ja heute. Drei Hektar bewirtschaftet Daniel von denen ungefähr die Hälfte mit Traktor, die andere Hälfte aber ausschließlich von Hand oder mit Pferd bewirtschaftet wird. Schon das zweite Weingut innerhalb von zwei Wochen, das die Bodenbearbeitungsgeräte von Hufen durch die Landschaft ziehen lässt. Seit 2016 macht Daniel das und das ist, auch wenn man es kaum glauben mag, ein ganzes Jahrzehnt inzwischen. Ob der Wein aus einem Pferdeweinberg stammt würde man im übrigen am Symbol auf dem Label erkennen. Ich erkenne das nicht mehr, weil die Perspektive das leider nicht hergibt und die Flaschen, mal wieder, schon im Altglascontainer liegen.

Zwei Weine probieren wir heute. Die Flasche Weisser Brunnen 2022 ist der Einstieg ins Sortiment und eine Cuvée aus Johanniter, Saphira, Riesling und Gewürztraminer. Die beiden Piwis werden direkt gepresst, Riesling und Gewürztraminer stehen eine Zeit lang auf der Maische. Spontangärung versteht sich bei solchen Weinen von selbst, der Ausbau findet im Holzfass statt. Und natürlich wird auch weder filtriert noch geschönt. Burg und Berg ist eine Cuvée aus Spätburgunder und Syrah vom Heuchelberg. Beide Rebsorten werden getrennt in einem Mix aus größeren und kleineren gebrauchten Holzfässern ausgebaut. Und wenn ich es noch richtig im Kopf habe (und nach Abgleich mit Fotos in diversen Webshops) würde, sofern man die Flasche etwas dreht, ein Pferdesymbol auftauchen.

Wir starten mit dem Brunnen. Dafür, dass da Teile bis zu 18 Tage auf der Maische standen, dafür riecht das mal so gar nicht Orange. Dafür riecht es aber nach Orange. Also der Frucht. Da ist viel Struktur und tatsächlich relativ wenig Frucht, die Frucht, die da aber ist, die hat was Limonadiges. Mit einem Klecks BBQ Sauce daneben. Das hat richtig Zug und ist mal wieder ein Ritt auf der Rasierklinge in Sachen Säure. Für mich ein Schritt zu viel, gegenüber am Tisch wird es gefeiert. Ich mag aber, wie saftig der Wein ist, wie kühl und wie geradeaus und obwohl das wild ist, ist es nicht verrückt wild und auch die Aromasorten sind relativ wenig Aroma und dafür viel Struktur in diesem Wein. Mit dem Wein im Mund wird die Nase grüner und dann doch etwas Muskateller. Spannend. Nicht unbedingt meins, aber ich kann anerkennen, dass das gut gemacht, oder eben nicht gemacht sondern geworden, dann aber ja doch irgendwie auch gemacht ist. Und dass die Flasche an unserem Tisch auch ohne mich nicht lange überleben wird, das steht sowieso außer Frage. Ich bleibe einfach beim Riechen, denn die Mischung aus Limonade, Kräutern, Frische und etwas Rauch. Die ist wirklich schön.

Die tonische Frische behält sich der Wein über Nacht. Es erinnert jetzt auch irgendwie an Eukalyptus und die Säure ist zahmer. Ich vermute, dass da der Traminer langsam durchkommt. Leider fängt hinten der Gerbstoff an etwas auseinander zu fallen. Aber dank der Länge und der Würze fällt das gar nicht so arg auf. Ein Ritt auf der Rasierklinge eben, aber einer, der sich lohnt.

Der Burg und Berg erinnert an Islay. Kräuter sind da, torfiger Rauch und viel Würze und Struktur. Auch das ist ein Wein, der zwar Frucht hat, aber der viel mehr über seine Würze und Struktur kommt als über die Frucht. Es riecht schon saftig, rot und nach Kirschen mit frischem Holz. Beim ersten Schluck habe ich Respekt ob der Säure, beim zweiten Schluck bin ich dann überrascht, wie sauber diese wirkt. Geruch und Geschmack finden erst weit hinten auf der Zunge so richtig aufeinander. Das ist so klar in der Säure und gleichzeitig so fruchtig frisch, dass erst das langsam raumgreifende Holz die Brücke zur Nase schlägt. Mit Luft wird der Wein immer dunkler in seiner Aromatik. Das hat Tiefe und braucht Zeit. Ich hoffe, dass er diese Zeit hat.

Und ich muss mich bei der Flasche entschuldigen. Diese Art von Rotwein tendiert dazu, am zweiten Abend die Klippe runter zu hüpfen. Die Art der Säure, wie sich der Gerbstoff anfühlt, das ist oft wunderschön einen Abend lang und dann eben einfach nicht mehr. Ein Teil von mir hatte also schon vorsorglich einen Haken dran gemacht, denn gedämpfte Erwartungen dämpfen auch die Enttäuschung. Ich lag aber falsch. Islay kommt zwar nicht wieder, aber Struktur und Säure, Rauch und altes Holz, Kirschsaft und Kräuter, alle da. Es wirkt runder als am ersten Abend, ausgeglichener, etwas reifer und offener. Ich mag das sehr an diesem zweiten Abend.

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