Drei Flaschen Sekthandwerk Hotz
Wir trinken diese Woche drei Sekte aus dem Markgräflerland in Baden. Von der Sektmanufaktor Hotz probieren wir einen Blanc de Noirs Brut 2022, einen Chardonnay Brut 2023 und einen Auggener Letten Steingrube 2022.

Schaumwein kommt zu kurz hier im Blog. Dabei müssen wir uns wirklich nicht vorwerfen lassen, an irgendwelchen Absatzproblemen für Schaumwein beteiligt zu sein, denn wenn eine Weinspielart hier im Hause nicht zu kurz kommt, dann ist das Schaumwein. Vielleicht ist aber genau das, das Problem. Schaumwein überlebt den Abend nicht und ich schreibe hier einfach gerne über die Entwicklung, die ein Wein durchmacht. Heute lösen wir dieses Problem durch mehr Menge. Wenn schon die einzelne Flasche nicht den Abend überlebt, dann hilft es, an der Flaschenanzahl zu schrauben. Das ist auch der Grund, warum da nur ein Korken auf dem Bild liegt. Denn drei Flaschen an einem Abend, das wäre ja verrückt.
Dass mir Sekthandwerk Hotz irgendwo auf Insta über den Weg gelaufen ist, das weiß ich noch. Aber ich habe tatsächlich überhaupt keine Ahnung mehr bei wem. Vorher und nachher habe ich die Flaschen nicht mehr gesehen, aber irgendwie hat die Begegnung meinen Kaufen-Finger zum Zucken gebracht. Auggen-Zizingen im badischen Markgräflerland ganz im Südwesten der Republik ist nun auch wirklich nicht als Schaumweinhochburg bekannt. Simon Hotz kauft, nach Studium in Geisenheim, 2014 den ersten eigenen Weinberg und will von Anfang an Sekt herstellen. Die Trauben für alle Sekte werden von Hand gelesen und als ganze Trauben gepresst und dann in Stahl oder Glasballons ausgebaut, bevor es zur zweiten Gärung auf die Flasche geht. Ein Teil des Traubensaftes wird eingefroren und anstelle von Zucker als Hefenahrung bei der Flaschenfüllung zugegeben. Es wird anschließend von Hand gerüttelt und ebenfalls von Hand degorgiert. Bei der vielen Handarbeit passen die abenteuerlichen Rückenetiketten gut. Da ist gefühlt mehr mit Kugelschreiber korrigiert und dazu gebastelt als aufgedruckt. Ich mag das ja.
Wir probieren drei Flaschen. Der Blanc de Noirs Brut 2022 ist komplett aus Pinot gekeltert. Der Chardonnay 2023 wächst an über 70 Jahre alten Reben. Und die letzte Flasche wächst im Auggener Letten als Einzellagenabfüllung. Zehn Reihen, in denen Spätburgunder und Weissburgunder gemeinsam stehen und in zwei Durchgängen gelesen werden.
Der Blanc de Noir ist im ersten Moment ein bisschen anstrengend. Sehr dunkel, eher beerig und irgendwie herzhaft beim Riechen. Da ist Holz und Würze und alles wirkt ziehmlich dunkel. Beim Trinken kurz mostig, eher im Gefühl als im Geschmack, und dann saftig. So richtig saftig. Irgendwo zwischen Orangen und Limetten und man mag gar nicht mehr aufhören zu Trinken. Mit dem Sekt im Mund wird der Duft mehr Brioche, mehr Hefe und etwas reifer. Das ist lang, aber so wirklich viel hat man nicht von der Länge, denn die Säure zwingt einen zum nächsten Schluck. Das macht richtig Spaß.
Der Chardonnay ist der hellste, der geradlinigste Sekt in dieser Runde. Kühl, laktisch mit ein bisschen gelber Frucht und einem Touch Brioche. Zumindest in der Nase. Beim Trinken kommt erstaunlich viel Struktur auf der Zunge an. Da ist Würze und der meiste Blubber der drei Sekte. Das schäumt richtig auf beim Trinken. Die Laktik taucht auch auf der Zunge wieder auf, da ist Zirusfrucht und eben die Struktur, die Würze. Ein paar Beeren, ein paar Pfirsiche und ein Touch Exotik. Dabei ist die Frucht nie offensiv, immer hinter der Struktur, hinter der Klarheit. Das ist vielleicht der klassischste Sekt der Drei.
Der Auggener Letten Steingrube ist auch sehr klar in der Nase. Irgendwie zwischen Cremigkeit und Joghurtlaktik angesiedelt mit einem Hauch Zitrus und ein paar Kräutern. Das trinkt sich genau so saftig wie der Blanc de Noirs. Es zieht an der Zunge, an der Backe und dann läuft einem das Wasser zusammen. Er ist fruchtiger beim Trinken als beim Riechen. Dabei lässt sich die Frucht selber gar nicht so leicht festnageln. Streuobstwiesenobst ist da, auch ein bisschen Steinobst vielleicht. Neben dem Blanc de Noirs mag der zusätzliche Eindruck an Fruchtigkeit vielleicht auch einfach daran liegen, dass der hier nicht so dunkel daherkommt. Das ist für die 19 Euro, die hier aufgerufen werden wirklich richtig gut. Es hört gar nicht auf zu ziehen an den Backen. Wie schön, dass der Kaufen-Finger gezuckt hat.