10.5.2026

Schloss Lieser - Goldtröpfchen GG 2021

Wir trinken von der Mosel eine Flasche Goldtröpchen GG 2021 vom Weingut Schloss Lieser.

Auf einem Holztisch steht eine Flasche Goldtröpchen Riesling von Schloss Lieser. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen, vor der Flasche liegen Korken und Kellnermesser.

Ihr kennt es, die Rieslinglust schlägt zu. Davon abgesehen hatten wir erstaunlich lange nichts mehr von der Mosel im Glas. Und weil Mosel zwar nicht nur, aber doch in der Mehrheit Riesling bedeutet, lassen sich damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Oder Flasche in diesem Fall. Die kommt heute von Thomas Haag vom Weingut Schloss Lieser in, wie sollte es anders sein, Lieser. Wer beim Namen Haag aufhorcht, der hat natürlich recht, denn unweit von Lieser, in Brauneberg, macht Bruder Oliver Wein im Weingut Fritz Haag, den wir hier schon ein paar mal im Blog hatten. Lieser und damit auch Schloss Lieser sind übrigens wieder im diesjährigen Abschnitt bei Mythos Mosel. Wer also selber einen Blick auf das Schloss erhaschen will, das wäre die Gelegenheit. Wir selber haben ehrlicherweise in den vergangenen Jahren die Station ob des Andrangs gemieden. Auch in diesem Jahr dürfte mit den Gastweingütern Clemens Busch, Carl Loewen und Geltz-Zilliken einiges los sein. Aber allein am Schloss vorne vorbei laufen lohnt schon. Ein beeindruckendes Gebäude. Das Weingut selber ist nicht direkt im Schloss untergebracht sondern in einem Gebäude daneben. Thomas Haag und Frau Ute gründeten das Weingut in den 90ern. Inzwischen ist mit Lara und Niklas auch schon die nächste Generation an Bord.

Der Wein heute kommt nicht aus Lieser Weinbergen. Er wächst ein Stück flussaufwärts im Piesporter Goldtröpfchen, das sich auf nördlicher Seite an eine der vielen Moselschleifen schmiegt und deshalb immer irgendwie gen Süden schaut. Wie stark es nach Süden schaut, hängt davon ab, wo im Goldtröpfchen man sich befindet, da die Lage mit über 80 Hektar eine ziemliche Fläche einschließt. Alles, was ich finden konnte, ist dass die Parzelle relativ hoch im Hang liegt, nahe am Wald. Der Wein wird spontan vergoren und im Edelstahl ausgebaut und liegt dort auf der Vollhefe bis zur Füllung. Wir trinken Jahrgang 2021, der, vor allem in den letzten Jahren, eher kühl war.

Direkt nach dem Öffnen hadere ich mit der Entscheidung den Korken gezogen zu haben. Das riecht anstrengend, karg, mit viel Säure und ohne Harmonie. Aber, wie immer hier, wir haben Zeit. Gleichzeitig, auch wie immer in so einer Situation, frage ich mich, was man da wohl im Restaurant machen würde. Zwangsbelüften vermutlich. Drei Stunden in der offenen Flasche später jedenfalls schenkt man sich einen anderen Wein an. Das ist so richtig Riesling GG jetzt. Manche Leute würden sicherlich auch zu anstrengend karg “richtig Riesling” sagen, aber ihr versteht, was ich meine. Da ist viel gelbes Kernobst, da ist Feuerstein, der Touch Reduktion, der die Spannung bringt. Im Mund erst viel Zug, dann eine erstaunlich große Portion Cremigkeit, die dann hinten raus von Struktur und Zitrus abgelöst wird. Verrückt, wie anstrengend das angefangen hat, und wie großartig der selbe Wein am selben Abend jetzt ist. Da ist wirklich viel Zitrus, die von der Zunge gar nicht mehr verschwinden will. Mit Schale und weißen Häutchen zwischen dem Fruchtfleisch. Schön ist das, aber Säurephobiker darf man nicht sein. Das hat schon richtig Zing.

Glücklicherweise stellt sich kein Sodbrennen ein. Dafür gibt es mehr Frucht am zweiten Abend. Immer noch die Zitrusfrucht, jetzt aber mit noch mehr Steinobst, Mirabelle, Aprikose, sowas. Ein richtiger Fruchtkorb, wenn man ins Glas riecht. Der Feuerstein dahinter bleibt. Und auch beim Trinken tut sich was. Die Cremigkeit ist verschwunden, der Zug noch ziehender geworden. Und da war ja eh schon eine gute Portion vorhanden. Die Struktur hinten raus ist abgeschmolzen. Wobei ich mir da gar nicht so sicher bin. Vielleicht sind Struktur und Cremigkeit auch noch da, man hat nur wegen Saftigkeit und Zug keine Zeit, darüber nachzudenken. Das ist so strahlend, so klar, so intensiv, das ist warum ich dann doch immer wieder Riesling aufziehen muss. So macht das einfach keine andere Rebsorte. Anders, sicher. Aber so, nein, so nicht.

Ähnliche Beiträge

comments powered by Disqus