Thörle - Hölle Spätburgunder 2021
Wir trinken eine Flasche Spätburgunder aus der Hölle vom Weingut Thörle aus dem Jahrgang 2021.

Ein paar Wochen noch, dann ist wieder Maxime Open. Dieses Jahr in Ingelheim und dieses Jahr ohne uns. Zeitlich passt das nicht wirklich gut in den Kalender dieses mal und ehrlicherweise ist für mich ein einzelner Ort auch nicht das, wofür ich extra ein paar Stunden Anreise auf mich nehmen würde. Schon letztes Jahr hatte ich mir die Frage gestellt, wann Weingut-Hopping, bei dem der Weg zwischen den Stationen auch ein großer Teil des Ziels ist, anfängt zu einer Weinmesse mit etwas mehr Fußweg zwischen den Ständen zu werden. Egal, die Frage darf in diesem Jahr für uns offen bleiben. Spaß hatten wir nämlich trotzdem letztes Jahr, so viel Spaß, dass wir nochmal eine kleine Nachlese nachschieben. Beide Bilder aus dem Artikel von damals sind, soweit ich mich erinnere, aus unseren Spaziergängen durch die Hölle. Nur konsequent, das auch im Glas nochmal zu besuchen, schon alleine deshalb, weil die Dachterasse bei Thörle nach dem Weg durch die Hölle selbst im Nieselregen echt schön war und weil Thörle selber in der Nachlese etwas kurz gekommen ist. Da passt es gut, dass mir die ansonsten ziemlich ambitioniert bepreiste Flasche in einem Angebot über den Weg gelaufen ist, das sie unter die magische 50er Grenze gedrückt hat. Bin halt Schwabe.
Wer die Weinlagenkarte aufmerksam studiert, wird feststellen, dass das Weingut mitten in der Lage liegt. Die Reben wachsen also mehr oder weniger direkt am Weingut. Die Hölle als Lage ist ein Südhang, naja, Südhängchen, so Südhang, wie das an diesem Fleck Rheinhessen eben geht. Das führt trotzdem dazu, dass es ziemlich warm ist im Vergleich zu den umliegenden Flachlagen. Zum Ausbau des Jahrgangs 2021 finde ich nichts, gehe aber davon aus, dass er ganz ähnlich zum aktuellen Jahrgang ausgebaut wurde. Das wäre dann ein Mix 60/40 altes und neues Holz in dem er 18 Monate reift. Zuvor wurde spontan vergoren.
Der Wein riecht würzig fruchtig mit Johannisbeeren und frischem Holz. Erst ist da kurz der Eindruck von Wärme, die aber beim Schwenken schnell verfliegt. Dafür kommt dann viel Kirsche und etwas Waldboden. Genau so trinkt es sich auch. Erst kommt die Säure, dann viel Frucht in der Zungenmitte und von Außen her setzt das Tannin an. Ich mag wie sich der Gerbstoff anfühlt, aber es fällt mir schwer, ihn in eine Kategorie zu stecken. Das ist nicht grobkörnig, samtig ist es aber auch nicht. So richtig pelzig ist es nicht, weich und anschmiegsam aber eben auch nicht. Irgendwo dazwischen findet es statt, mit dem Gefühl, dass die letzten Jahre schon gut getan haben, die kommenden Jahre aber sicher noch besser tun werden. Lang ist der Wein und er wird immer noch einen Tick mehr Kirsche. Gerade ist das aber ein Wein fürs Mundgefühl und nicht so sehr für die Nase.
Je später der Abend, desto mehr Unterholz kommt dazu, desto würziger wird es und desto mehr verschwindet die intensive Kirsche wieder. Ich mag die Würze, das bisschen Balsaholz, den roten Hibiskus, die Struktur. Die Nase holt auf.
Es wird weicher am zweiten Abend, runder. Da sind ein paar Rosenblüten, immer noch die Kirsche, etwas Flieder und Würze und Holz. Es ist faszinierend, wie die Struktur gleichzeitig weicher und zupackender geworden ist. Das krallt sich jetzt hinten an der Zunge fest und will gar nicht mehr verschwinden. Wein bleibt einfach spannend, jede Flasche, jedes Glas hat das Potential zu überraschen. Ich denke weiterhin, dass ein paar mehr Jahre sicher gut tun dürften. Auch und vielleicht gerade weil es jetzt schon so gut gefällt und trotzdem jedes Schwenken, jede Minute im Glas noch ein bisschen mehr irgendwo eine Türe oder ein Fenster öffnet. Dass man bei jedem Schluck den Weinberg und die Dachterasse im Hinterkopf wieder hervorkramen kann, wird natürlich auch seinen Anteil haben.