Mythos Mosel 2026 - Tag 1
Wir waren nach zwei Jahren Pause mal wieder an der Mosel unterwegs. Der Reisebericht zu Mythos Mosel 2026 - Tag 1.

Dass wir nach zwei Jahren Pause ausgerechnet wieder im Abschnitt rund um Bernkastel-Kues landen ist kein besonders gutes Timing. Von 5 Besuchen bei Mythos Mosel fallen drei auf diesen Abschnitt. Allerdings wechseln wir den Standort und gastieren nicht wie die beiden Male zuvor in Brauneberg, sondern ganz am Ende der Strecke in Zeltingen-Rachtig. Eigentlich in Rachtig und mangels Bus-Station dort, startet jeder Morgen mit einem Fußweg nach Zeltingen. Aber dank einem Bus-Plan, der in diesem Jahr die erste Fahrt um 10:12 Uhr vorsieht, schafft man es theoretisch vor Beginn um 11 Uhr ans andere Ende des Abschnitts. Das sind gute Vorzeichen.
Wer Mythos Mosel nicht kennt: In drei rotierenden Abschnitten sperren jede Menge Weingüter ihren Hof auf, laden Gastwinzer ein und präsentieren Weine. Dieses Jahr im Abschnitt von Kesten bis Zeltingen. Das sind dann in Summe so viele Stationen, Winzer und Weine, dass man unmöglich alle schaffen kann. Es bleiben einem dann zwei Optionen. Sich treiben lassen und schauen was passiert, oder einen Plan machen. Oder natürlich irgendwas dazwischen. Wir entscheiden uns für die “irgendwas dazwischen”-Variante. Der Start jedenfalls sieht vor, dass wir 10:12 Uhr gen Mülheim fahren, dort umsteigen in Linie MM1 und dann Maring-Noviand und Co auf dem Berg besuchen. Die Alternative, falls der Umstieg aus irgendwelchen Gründen schief gehen sollte, ist ein Fußweg nach Brauneberg, der ebenfalls einen pünktlichen Start um 11 Uhr ermöglichen sollte. Dann Samstag Brauneberg, Mülheim und Lieser ohne Schloss Lieser (weil vermutlich sehr voll). Sonntag: Graach, Schloss Lieser (mit hoffentlich weniger Leuten), Wehlen und Zeltingen.
Bevor wir dazu kommen, wie gut das geklappt hat, der übliche Hinweis: Es ist, wie angesprochen, unmöglich alles zu probieren. Es ist auch unmöglich alles genau mitzuschreiben, den manchmal ist wirklich viel los an den Ständen. Was hier also nicht auftaucht, wurde nicht unbedingt für nicht erwähnenswert gehalten. Wir waren vielleicht schlicht nicht da oder waren da und haben den Wein oder Stand ausgelassen. Und so ein Probierschluck bei 30 Grad und Saunaluftfeuchtigkeit ist am Ende immer auch nur ein Probierschluck bei 30 Grad und Saunaluftfeuchtigkeit. Wir kondensieren deshalb und erwähnen, was uns aufgefallen ist. Das Erste, das auffällt, ist gefühlt weniger große Namen auf der Winzerliste. Da wir aber sowieso schon dazu neigen Produzenten zu probieren, die wir bisher nicht oder kaum auf dem Schirm haben, schmälert das die Vorfreude in unserem Fall kein bisschen.
Sonntag 10:12 Uhr Abfahrt klappt jedenfalls super. Nieselregen auf warmen Asphalt zu genau diesem Zeitpunkt auch. Wir wollen ja auf den Saunaaufguss nicht verzichten müssen. Wir steigen also in Mülheim aus um in den anderen Bus zu wechseln, als dieser plötzlich und ohne Vorwarnung mit eben jenem Bus hinter uns die Rollen tauscht. Einfach sitzen bleiben hätte es also getan, wenn man es denn gewusst hätte, dass aus MM1 auch MM2 werden kann und umgekehrt. Zurücklaufen ist aber albern und so wird der Alternativplan zum Hauptplan und einen schönen Moselradwegfußmarsch später starten wir Punkt 11 Uhr bei Fehres in Brauneberg.
Weil nichts so sehr Guten Morgen sagt wie ein Glas Schaumwein, starten wir bei Schaufelberger. Cuvée Magique Extra Brut 23 hat viel Zug, eher Zitrus, karg. Mag ich. Dass jemand direkt am Stand rauchen muss, das mag ich nicht so sehr. Cuvée Magique Rosé 23 ist cremiger, mit roter Frucht und viel Gebäck. Cremant Brauneberger Juffer 22 mit tollem Mundgefühl, noch mehr Zug, leicht cremigem Steinobst und viel Länge. Toller Start und ein Produzent, den ich überhaupt nicht kannte. Zum Eulenturm Rieslingsekt Zero Dosage 21 ebenfalls mit viel Zug, eher karg und Steinobst. Riesling 25 ist mit seiner duftigen Nase ein brutales Kontrastprogramm, aber als Schorle würde ich mir da ein Dubbeglas voll genehmigen. Die Nonnengarten Cuvée 25 aus Elbling, Riesling und etwas, das ich vergessen habe ist auch ziemlich fruchtig, aber ausgewogener. Der Trieren 24 Lagenriesling dann eher Orange in der Frucht, lang und cremig. Schön. Bei Köwerich bleibt vor allem die Sonderverkostung mit 14er Kabi, 08er Spätlese und 04er Auslese im Kopf. Das ist wunderschön gereift, ich habe nur leider die Lagen nicht mitgeschrieben. Fehres steuert eine Veldenzer Kirchberg Spätlese 16 zur Sonderverkostung bei, die bestätigt, dass ich 16 sehr mag. 2023 Alte Reben mit Eukalyptus und Flint ist ebenfalls gut.
Wir ziehen weiter vom schönen Moselufer zu Willi Haag. Karp-Schreiber, so viel kann ich schonmal vorweg nehmen, ist vielleicht die Entdeckung dieses Wochenendes für mich. Noch nie gehört vor dieser Veranstaltung, aber Juffer Kabinett 25 trocken ist ein Wein auf dem man kauen kann. Ganz tolle Struktur. Das Juffer Sonnenuhr GG 24 startet harmlos, aber je länger der Wein im Mund ist, desto mehr baut er sich auf. Auch stark. Juffer Kabinett 25 frisch, sehr fruchtig mit schönem Zug. 1997 Juffer Sonnenuhr Auslese, Sonderverkostung, intensiv, gelbe Frucht, etwas Petrol und Firn, steinig, würzig, weich. Wunderschön. Brohl hat mit der Marienburg Spätlese trocken und den Alte Reben 1889 Spätlese trocken auch so zwei Weine zum Kauen dabei.
Beim anderen Haag, Fritz Haag, haben wir Glück. Es gibt Pizza Napoletana, es ist kurz nach 12 Uhr, als hätten wir es geplant nur ganz ohne Plan. Manchmal muss man eben auch Glück haben. Die Pizza jedenfalls ist richtig lecker und mit vollem Magen verkostet es sich wieder frischer. Knebel hat durch die Bank 24er dabei. Die wirken trotzdem noch sehr jung, haben aber diese tolle, dunkle Mineralik, die Terrassenmosel so oft hat. Vor allem das Uhlen 24 GG sticht heraus, weil es schon offener wirkt als der Rest und der Von den Terrassen, der nicht ganz so dicht daherkommt, aber schon alle Anlagen zeigt. Klosterhof Brauneberger Klostergarten Kabi T 25 zieht einem anschließend das Gesicht wieder glatt. Das hat Fuego. Ich mag auch die Kargheit der Apotheke Trocken 24 von Clüsserath sehr. Dann kommt der Bus und obwohl wir bei beiden Haags in Brauneberg an der Station waren, haben wir keinen einzigen Wein von den Haags im Glas gehabt. So ist das manchmal.
Bei Max Ferd. Richter in Mühlheim sind die Gläser alle. Die Schlange demnach ziemlich lang und die Anzahl der Menschen im Schatten des Probierzeltes ist auch nicht kleiner. Wir probieren im Schnelldurchgang in Auszügen. Wehlener Sonnenuhr Alte Reben Kabi 24 hat alles, was Kabi von der Mosel braucht, den trinke ich sowieso gerne. Juffer Kabi 25 mit mehr Zug, aber halt auch ein Jahr jünger. Elisenberg 25 ein bisschen parfümiert aber auch schön. Dr Hermann Wehlener Sonnenuhr Kabi 25 wieder ohne Parfüm und ähnlich gut wie der Richter Kabi. Würzgarten Kabi 25 braucht dagegen noch Zeit. Loersch Apotheke Vogelsang 24 straff, kräuterig und eher glatt. Jungheld GG 24 noch ziemlich wild, aber dahinter tolle Textur. Wir ziehen weiter.
Station Bottler, Weingut Reh. Chardonnay und Pinot Sekt sehr straff, feine Frucht, etwas Hefe und relativ viel geschmeckter Süße, eine kurze Websuche sagt aber Brut. Das ist sehr lecker. Layet Mehringer Blattenberg 24 mit viel Würze, Stein und eher wenig Frucht. Das ist richtig gut. Bevor wir weiterprobieren können, zieht Essensduft durch die Räume. Und wer kann Kartoffelklösen mit Leberwurstfüllung auf Kraut schon widerstehen? Richtig. Und deshalb essen wir jetzt erstmal. Die Bottler Spätlese Leienberg 25 Alte Reben spült die letzten Leberwurstgeschmacksreste den Gaumen runter und das passt perfekt. Fruchtig, dicht. Johannesberg Kabinett 25 wieder sehr typisch Kabi. Auf der fruchtigen Seite. Unkompliziert aber nicht belanglos. Der Tag wird später und wir ziehen weiter, es wartet schließlich noch Lieser.
Beim Fußweg über die Brücke, der sich schon ob der Brücke und Aussicht mehr als lohnt, rollt eine Sardinenbüchse an uns vorbei, die der Entscheidung zu Fuß zu gehen gleich doppelt recht gibt. Dementsprechend viele Leute steigen dann aber auch bei Thanisch aus und so beschränken wir uns auf die Schaumweine von St. Laurentius. Cremant Extra Brut ist sehr cremig mit Zug. Pinot Rose Brut hat viel, viel Beere in der Nase und ist dann cremig-hefig im Mund und die Grand Cuvee 2016 ist intensiv mit viel Gebäck und einer laktischen Zitrusjoghurtsäure im Mund. Mag ich sehr.
Der kleine Shuttlebus bringt uns zu Pauly und deren Dachterrasse, die im Wind eine willkommene Abkühlung bietet. Der enorm cremige Weissburgunder 25 von Ludwig ist der perfekte Begleiter dazu. Pauly Alte Reben Helden 24 ist super. Weich, trotzdem mit Struktur und sehr lang. Helden Kabi 25 mit deutlich mehr Zug, macht aber genausoviel Spaß. Die Sonderverkostung Rotwein im Keller nehmen wir auch noch teilweise mit, aber fürs Aufschreiben reicht es nicht. Knodt-Trossen hat eine ziemlich geniale Flasche beigesteuert, aber dazu morgen mehr.
Zu Schumann ist es nur ein Katzensprung zu Fuß und so wird das der Tagesabschluss. Lieserer Schlossberg 25 Kabi trocken mit vielen Kräutern und dann doch etwas, zumindest wahrgenommener, Süße. Das Holzfass, in dem der Lieserer Thurm 25 ausgebaut wurde, steht zwei Meter neben uns. Das ist schon cool. Der Wein hat eine tolle, klare, fruchtige Säure und viel Länge. Claes Schmitt gefällt mit dem Neumagener 25 Kabi, der einen bei jedem Schluck schmatzen lässt. Scholtes, ebenfalls gar nicht auf dem Schirm gehabt, hat mit dem Pölicher Held 25 einen enorm kräuterigen Riesling dabei, der heute heraussticht und echt gut gefällt. 23 Im Königsberg Kabi danach klar, hell, gelb und geradeaus mit Honig und Länge. Anders, genauso gut. Das Essen riecht schon wieder verlockend, aber der Tisch fürs Abendessen ist schon reserviert und wir haben schon nach 17 Uhr. Feierabend also. Leider haben wir übersehen, dass unser Bus nur Lieser Ort und nicht etwa bei Lieser Thanisch hält. Wir verpassen deshalb geradeso eine Sardinenbüchse. Der nur 8 Minuten spätere Folgebus ist aber fast leer und so geht es entspannt in Richtung Zeltingen. Das mit den Bussen hat heute super geklappt. Man darf auch mal Glück haben. Der Bericht für Tag 2 folgt demnächst, dann auch mit kleinem Fazit.
