14.6.2026

Nicolas Jacob - Les Chazaux 2023

Wir trinken aus dem Jura eine Flasche Les Chazaux 2023 Chardonnay von Nicolas Jacob.

Auf einem Holztisch steht eine Flasche Les Chazaux von Nicolas Jacob. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen, vor der Flasche liegen Korken und Kellnermesser.

Mir ist die Absurdität durchaus bewusst. Vor ein paar Wochen töne ich noch groß, dass ich aufgehört habe Einhörnern hinterherzujagen, dass ich quasi nur noch Flaschen aus dem Jura kaufe, die man eigentlich ganz gut bekommt. Und heute diese Flasche. Wenn man sucht, dann gibt es die nur in Bundles. Die Art von Bundles, bei denen eine Flasche dieser Wein ist und 5 Flaschen etwas anderes. Einhornalarm. Zu meiner Verteidigung: Ich hatte bis zum Newsletter von Alex den Namen Nicolas Jacob noch nie gehört. Holgi meinte mal bei Wrint, dass man, wenn man so einen Newsletter liest, eigentlich immer sofort kaufen will. Egal was für Weine drin vorkommen. Und Holgi hat recht. Von Einhornjagd kann also keine Rede sein. Glaubte ich an Wurzeltage, dann wäre der Wein jetzt sowieso nicht hier aufgetaucht. Das war einer dieser Freitag-Abende, an dem man einen Korken nach dem anderen zieht und nichts pfeift. Nichtmal die Pfeifgaranten. Aber dann, dann kam Les Chazaux. Ein Glück kochen wir gerne. So darf Wurzelwein ein zweites Leben als Soße führen. Ist ja auch nicht schlecht.

Nicolas Jacob hat erst Gemüse angebaut. Dann bei Jean Macle und schließlich eine Zeit bei Jean-François Ganevat gearbeitet. Das sind dann doch Namen, die man schonmal gehört hat. Zumindest wenn man gerne Jura trinkt. Vermutlich aber auch so. 2015 hat er dann angefangen aus einer Parzelle selber Wein zu machen, die bis heute auf sechs Hektar angewachsen ist. Die Trauben für die Flasche heute wachsen in der Lage Les Chazaux in Augea. Der Wein wird spontan vergoren und für fast zwei Jahre in alten Fuderfässern ausgebaut, bevor es ohne oder mit ganz wenig Schwefel auf die Flasche geht. Dass weder geschönt noch gefiltert wird, das versteht sich bei dieser Art Wein eigentlich von selbst.

Der erste Schluck war übrigens auch hier schwierig. Außer spitzer Säure kam da erstmal nichts. Aber schon der zweite Schluck straft Wurzelwochenendengläubige lügen. Das ist enorm straff, hat Laktik und viel Zitrusfrucht, Yuzu, Limette, Zitrone, alle da. Und zwar beim Riechen, noch viel mehr aber beim Trinken. Und von der Zunge will der ganze Zitrusobstkorb überhaupt gar nicht mehr verschwinden. Das ist wirklich lang. Und dabei so klar in der Frucht, so strahlend. Da ist etwas Gerbstoff, etwas Widerstand, ein bisschen Struktur, vielleicht auch viel Struktur, die ob der ziehenden Säure nur wie ein bisschen Struktur wirkt. Denn die Säure, die zieht einem die Spucke aus den Backen und aus dem Gaumen. Die wischt alles weg, was da sonst noch sein könnte. Gleichzeitig fühlt sich der Wein cremig an, Yuzu-Joghurt-Mousse oder so. Die Nase kann das Tempo nicht ganz mitgehen, wird karger, bekommt einen Touch Klebstoff und mehr Würze als Frucht. Aber das Mundgefühl, das Mundgefühl ist nichts anderes als genial. So ein Scheiß. Muss ich doch wieder Einhörner jagen?

Es wird voller am zweiten Tag. Zumindest beim Riechen. Etwas mostiger, minimal zumindest, und vielleicht auch mehr wie es sich anfühlt, als wie es wirklich riecht. Und so schmeckt es auch. Da ist mehr Kernobst, kaum noch Zitrus. Da ist Stein und kernige Würze. Würze ist auch auf der Zunge das Stichwort inzwischen. Es ist einfach insgesamt nicht mehr so zitrussaftig. Aber schlechter ist es deshalb kein bisschen. Es ist einfach anders geworden. Da ist weniger Reduktion, aber nicht weniger Länge. Und die Spucke fließt so wie am ersten Tag mit dem Wein. Pfirsich, etwas Quitte und auch die Yuzu kommt wieder. Ich würde sagen, dass es komplexer geworden ist und man sich die Komplexität durch einen Tick weniger Easy-Drinking erkaufen musste. Ob das ein guter Deal ist, das muss jeder für sich selber wissen. Oder man schwenkt mehr, denn je mehr Sauerstoff man dem Wein zuführt, desto mehr kommt die Saftigkeit zurück und auch der Joghurt-Limetten-Nachtisch kommt wieder. Achja, 14 Umdrehungen hat der Spaß. Würde es nicht auf der Flasche stehen, ich würde es nicht glauben. Zu leicht, zu frisch wirkt das. Irgendwann wird man es spüren. Aber wenn man der Flasche Zeit gibt, dann ist das eh nicht so wichtig. Brutal gut ist das auf jeden Fall.

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