Domaine de l'Horizon - Rosé 2018
Wir trinken von der Domaine de l'Horizon aus dem Süden Frankreichs eine Flasche Rosé aus 2018.

Eine Flasche Konfrontationstherapie. Eigentlich war nämlich vor gar nicht so langer Zeit angedacht, über den Blanc zu schreiben. Die Flasche Blanc hatte aber andere Pläne, Oxidieren zum Beispiel. Dabei macht es objektiv null Sinn von der einen auf die andere Flasche zu schließen. Schon allein weil der eine Wein weiß und der andere Wein roséfarben ist. Und dass selbst der gleiche Wein in zwei Flaschen, die nebeneinander lagen, komplett unterschiedlich aus der Flasche wieder auftaucht, das wissen wir spätestens seit letzter Woche. Und trotzdem hat es der kaputte Weißwein hinbekommen ein gemütliches Plätzchen in meinem Unterbewusstsein für sich zu reklamieren. Je öfter ich also die Flasche Rosé angeschaut habe, desto mehr habe ich mich gefragt, ob die denn dann auch hinüber sein würde. Und wir alle wissen, dass es nur einen Weg gibt das herauszufinden.
Beim Wein selber hat sich seit der letzten Flasche nicht viel getan. Ist schließlich auch nur ein Jahr jünger. Reinsortiger Grenache, sehr alte Reben aus dem Süden Frankreichs rund um Calce, ökologische Landwirtschaft, spontane Vergärung, Ausbau im gebrauchten Holz. Nur Zeit, Zeit hatte er mehr in der Flasche. Und ich gehe davon aus, dass auch im Süden Frankreichs 2018 deutlich wärmer war als 2017. Auf dem Weingut, das von Thomas Teibert und Familie Christ gegründet wurde, tut sich allerdings etwas. Thomas Teibert zieht es weiter zu neuen Projekten und so ist inzwischen Emmanuelle Maltas für die Weine verantwortlich. Diese Flasche heute, weiß davon freilich noch nichts.
Wir trinken gerade, insbesondere, wenn das Thermometer wieder über die 35 klettert, gerne alkoholfreie Bitteralternativen in Tonic. Und im ersten Moment riecht der Wein genau so. Ohne das Tonic, aber das riecht sowieso nicht besonders stark. Dann kommt Pfirsich dazu, etwas Butterkaramell, nein, ich korrigiere, eine ganze Hand voll Butterkaramell. Fudge. Das gute, leider eher preisintensive, krümelige Fudge von der Insel, das ich immer in den Warenkorb schmuggle, wenn die Mittrinkerin mal wieder Schokolade bestellt. Ich mag das sehr. Und dahinter ist auch ein bisschen Sherry inzwischen. Da ist Würze beim Trinken, Himbeeren und eine ganz weiche, fruchtige Säure. Erst ganz hinten auf der Zunge taucht auch da der Sherry auf, der einem leise sagt, dass es vielleicht ganz gut war, mit dieser Flasche nicht viel länger zu warten. Aber jeder kleine Schluck verdrängt diese Noten sofort wieder. Hinter mir im Regal steht eine Flasche Marie-Framboise, Cognac mit Himbeeren, und ein bisschen erinnert es auch an das. Und wenn ich mich beim Schreiben jetzt so durch meine Notizen vom Jahrgang 2017 lese, dann ist die grundlegende Handschrift doch die selbe.
Der nächste Abend bringt mehr Frucht mit. Viel Pfirsichlikör, Fruchtjoghurt, auf den ein Spritzer Sherry geträufelt wurde. Nur in der Nase, denn auf der Zunge hat sich die oxidative Note komplett verzogen. Das ist cremig, auch hier mit Pfirsich und Beeren, Saftigkeit und Länge. Schön ist das, auch an diesem zweiten Abend. Vielleicht nicht ganz da, wo ihn Vorschuss-Lorbeeren und Geheimtipp-Status online hier und da mal hinschreiben. Aber ein schöner Rosé ist das ohne Frage. Und ich denke, dass wir für den 2018er auch einen guten Zeitpunkt erwischt haben.