Domaine Labet - En Chalasse 2016
Wir trinken von der Domaine Labet aus dem Jura eine Flasche En Chalasse Chardonnay aus 2016.

Zumindest mir geht es so, dass wenn etwas ziemlich gut war, ich mehr davon haben will. In diesem Falle ist “etwas” die Flasche Jura-Chardonnay von vor ein paar Wochen. Und “mehr davon” diese Flasche Labet. Zu Labet muss man nicht viele Worte verlieren. Eines dieser Jura-Weingüter eben, die man nur schwer kaufen kann. Bis vor kurzer Zeit war es auch eines dieser Jura-Weingüter, die noch relativ günstig waren, wenn man denn nicht auf dem Zweitmarkt unterwegs war. Leider sind die Preise ziemlich angezogen. Verstehe ich natürlich irgendwo auch. Die letzten Jahre im Jura waren von Frost und Hagel geprägt, so dass eigentlich jede Ernte einen mitbekommen hat und wenn man dann als Winzer sieht, was die Leute für eine Flasche von einem auszugeben bereit sind, da liegt es nah diesen Gewinn nicht in der Tasche von Spekulanten verschwinden zu lassen. Und wenn das Weingut den Wein so immer noch unter die Trinker bekommt, dann sei es ihnen gegönnt. Ich muss da ja nicht mitgehen, wenn ich nicht mag.
Die Flasche heute lag schon hier rum. Eine von zwei Flaschen tatsächlich. Keine Ahnung, warum ich genau von diesem Wein zwei Flaschen gekauft habe, verfolgen wir doch normalerweise eine ziemlich strenge Ein-Flaschen-Politik. Auch wenn sich das manchmal als unklug herausstellt im Nachhinein. Jedenfalls durfte der andere Chardonnay in diesem Jahr bereits die beschwerliche Reise zur Karlsruher-Weinrunde antreten. Und nicht nur hat sie den Württemberg-Baden-Grenzübertritt problemlos gemeistert, nein, sie war dazu noch mehr als großartig. So großartig, dass ich darüber praktisch schreiben musste. Ich mag Labet schon alleine deshalb, weil der Platz auf dem Label für umfassende Informationen genutzt wird. Die Reben für diesen Wein sind eine Mischung aus Massen- und Klonselektion, die 2006, 1985 und 1950 gepflanzt wurden. Sie stehen auf Lias-Böden mit Blick Richtung Süd-Osten auf einer Höhe von 265 Metern. Ausgebaut wird für 16 Monate im kleinen Holzfass, gefüllt am 9. August 2018 mit einem PH von 3,08 und einem Gesamtschwefel von 13 mg pro Liter und 13,2 Volumenprozent Alkohol. Ausgebaut wird Ouillé, es wird also beigefüllt und nicht der Sauerstoff im Fass belassen. Da weiß man Bescheid.
Es fällt direkt auf, dass da eine, zugegeben kleine, Portion Sherry aus dem Glas weht. Jetzt könnte man sagen, klar, 10 Jahre alter Weißwein kann das schonmal haben. Aber die Flasche im Februar hatte das eben nicht. So überhaupt gar nicht. Und insgesamt ist das die erste Flasche Labet, die sowas wie Oxidation zeigt. Zumindest von den Weinen, die nicht oxidativ ausgebaut wurden. Aber das versteht sich wohl von selbst. Und es ist auch eher unwahrscheinlich, dass der Wein just in diesen paar Monaten entschieden hat eine Blitzalterung hinzulegen. Es bleiben also zwei Möglichkeiten: Wir hatten entweder extrem Glück mit der Flasche im Februar, oder der Verschluss dieser Flasche hat mehr Sauerstoff durchgelassen als er sollte. Müsste ich wetten, mein Geld wäre auf Letzterem.
Da ist etwas Nussiges dabei, Getreide, Orangenzeste und auch die typische Jurawürze. Zug hat das, richtig viel Zug hat das. Die Säure ist saftig, aber eher auf der weichen Seite der Dinge, eher Orangensaft als Zitronensaft. Die Mittrinkerin murmelt Grapefruit und wie (fast) immer hat sie recht. Mit den weißen Häutchen zwischen den Filets. Kurz dachte ich, dass man das Oxidative auch schmecken kann, aber jeder Schluck spült es weiter und weiter in den Hintergrund. So saftig ist das. Gut ist das auch. Das ergibt in Summe eine einigermaßen absurde Situation. Wäre die Flasche im Februar nicht gewesen, ich schriebe jetzt, wie gut sich das doch gehalten habe, wie viel Frische da noch sei und überhaupt, wie saftig. Das ist jetzt so, wie ich beim Korken ziehen im Februar den Wein erwartet hätte. Nur hatte der diese Memo eben nicht bekommen und jetzt haben wir den Salat. Den Abend über hält der Wein problemlos die Form. Da tut sich nichts mehr.
Und auch der zweite Abend macht genau da weiter. Das ist mehr Wein fürs Mundgefühl als für die Nase. Man hat sogar das Gefühl, dass es ein bisschen jünger, ein bisschen frischer wirkt heute. Beeindruckend wie stabil das bleibt, haben Weine, deren Korken nicht so richtig gut war doch oft die Tendenz sich dann auch im Glas eher schnell zu verabschieden. Der hier nicht, denn der ist enorm frisch, viel Zitrus, Saftigkeit, Kräuter und Stein. Das ist ein wirklich schöner Chardonnay aus dem Jura. Auch wenn er der Flasche im Februar das Wasser nicht annährend reichen kann.
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