26.7.2026

Zwei Flaschen Chanterêves

Wir trinken aus dem Burgund eine Flasche Aligoté Bas de Ees 2022 und eine Flasche Pinot Paris l'Hôpital 2022 von Chanterêves.

Auf einem Holztisch stehen zwei Flaschen Wein vom Weingut Chanterêves. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen. Vor den Flaschen liegen die Korken am Kellnermesser.

Bei der letzten Flasche habe ich noch geschrieben, dass die Labels inzwischen anders aussehen. Und, dass mir persönlich die Alten irgendwie mehr gefallen. Dabei bleibe ich auch. Der Inhalt aber, den fand ich so gut, dass mir das, was auf der Flasche klebt eigentlich ziemlich egal ist. Irgendwie lustg im Nachheinein, dass bei ausgerechnet dieser Flasche dann die Hunde-Teekanne im Hintergrund Platz genommen hat. Bei der ist es nämlich 100 Prozent Aussehen und 0 Prozent Inhalt. Nicht nur weil sie leer ist auf dem Bild, viel mehr weil sie als Teekanne überhaupt gar nicht funktioniert. Griff wird Höllenheiß und der Ausgießer tropft. Ich schweife ab.

Chanterêves, das sind immer noch Tomoko Kuriyama und Guillaume Bott, die in Savigny-les-Beaune Wein machen. Verarbeitet wird immer noch eine Mischung aus eigenen Trauben und Zukauf. Die Beiden konnten 2020 Weinberge kaufen unter denen auch ein Anteil mit Aligoté bestockt ist. Ob dieser Aligoté aus einem dieser Weinberge kommt, das habe ich leider nicht gefunden und da insgesamt ganze fünf verschiedene Aligoté im Portfolio sind, sind die Möglichkeiten vielfältig. Aber zur Verarbeitung findet man etwas: Die Trauben wachsen in der Nähe von Marey-les-Fussey auf etwa 470 Metern. Sie werden langsam gepresst, mit wilden Hefen vergoren und dann für etwa ein Jahr in kleinen Holzfässern ausgebaut, bevor es auf der Feinhefe für ein weiteres halbes Jahr in den Edelstahltank geht. Es wird nur minimal geschwefelt. Der Paris-l’Hôpital wird mit den ganzen Trauben vergoren, wie fast alle Rotweine bei Chanterêves. Er wird ebenso mit wilden Hefen vergoren, täglich von Hand mit Eimern umgepumpt und dann ein ähnliches Prozedere wie beim Aligoté: Ein Jahr gebrauchtes Holz, ein halbes Jahr Stahl auf der Feinhefe, minimal Schwefel.

Da ist eine feine Würze im Aligoté, etwas Stein, ein paar Körner gepufftes Getreide. Und es schmeckt exakt so wie es riecht. Klar ist es, sehr klar, das strahlt richtig. Würze auf der Zungenmitte, Salz, Zug an den Rändern, etwas Zitrusfrucht und Exotik in der Säure. Saftig mit richtig Zing dahinter. Irgendwie der perfekte Sommerwein. Und gleichzeitig mit so viel Tiefe und Strahlen, dass man sich kurz fragt, warum Aligoté so weit unter dem Radar fliegt und als Trinkspaßgranate einfach übersehen wird. Nach Raketenbohnen riecht er jedenfalls nicht. Lassen wir das. Mit dem Wein im Mund wird es nussiger in der Nase und trotz der Linearität im Geschmack, ist da wirklich Tiefe. Luft tut ihm auch gut. Ein bisschen Buttermilch, weniger Nuss, wirkt glatter jetzt. Kann man drüber nachdenken. Muss man aber nicht, um Spaß damit zu haben.

Wirklich viel tut sich nicht über Nacht. Zumindest beim Riechen. Im Geschmack dominieren inzwischen Struktur und Laktik mit einer tollen, salzigen Würze. Es ist wieder mehr Zitrus als Exotik und wirklich erstaunlich viel Struktur. Bei jedem Schlürfen wird es mehr. Ziemlich genial.

Was für eine tolle Frucht der Pinot dann hat. Das ist tatsächlich auch das, was mir vom Les Tuyaux im Kopf geblieben ist: Eine wirklich, wirklich schöne Frucht. Und wie schon der Aligoté, strahl auch dieser Wein. Das ist so klar, in jeder einzelnen Komponente. Da sind Kirschen, schwarze und rote Beeren und Ätherik. Beim Trinken viel Kirschsaft, dann ein Hauch Gerbstoff, nur in der Mitte der Zunge, etwas Waldboden, Rauch und eine gewürzige Würze. Das ist einfach schön und ich mag das sehr. Auch mit neuem Label.

Wo beim Aligoté über Nacht die Zeit still steht, verändert sich der Pinot deutlich. Er wird noch fruchtiger mit viel Waldbeere, leicht angeditscht, aber weder braun noch überreif. Süß wirkt er beim Riechen jetzt, also in der Frucht, Zucker wird da keiner rein gekippt haben und Zucker kann man sowieso nicht riechen. Erst denke ich, dass der Gerbstoff komplett verschwunden ist, aber er braucht nur so zwei, drei Schlücke um wieder da zu sein. Noch weicher geworden ist er in jedem Fall. Dass das nur 11,5 Prozent hat ist dann irgendwie die Kirsche auf der Sahnetorte. Noch so ein Wein für den Sommer. Eigentlich aber für jederzeit. Die Gewürze kommen mit mehr Luft zurück. Und eine Note grüner Johannisbeerstrauch ist da auch. Die passt da perfekt hin. Das ist Wohlfühlwein. So ein bisschen wie schon der Aligoté, nur noch mehr davon. Noch charmanter und gleichzeitig aber auch noch tiefer, wenn man denn danach graben wollen würde.

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