Zwei Hades von Jürgen Ellwanger
Wir trinken vom Weingut Jürgen Ellwanger eine Flasche Hades Cabernet Sauvignon 2017 und eine Zweigelt-Rebe aus 2016.

Ende der 80er schlossen sich fünf schwäbische Weingüter zusammen um, unter Begleitung der Weinbauschule Weinsberg, Wein in kleinem, neuen Holz auszubauen. Ich erinnere mich offensichtlich nicht daran, wie verpönt oder nicht verpönt Holzeinsatz zu dieser Zeit war, war ich doch noch nichtmal geboren. Ganz pragmatisch und ohne blaue Flamme auf dem Kopf ist HADES in diesem Fall die Aneinanderreihung der Anfangsbuchstaben der beteiligten Weingüter. Ohne Badegang im Styx trinken wir heute das E dieser Weingüter, nämlich Ellwanger. Familie Ellwanger macht auf inzwischen 26 Hektar Wein und obwohl zwei Drittel der Rebfläche rot bestockt sind, gehören Cabernet Sauvignon und Zweigelt eher nicht zum württembergischen Kerngeschäft. Zu den älteren Jahrgängen finde ich leider keine Information, gehe aber davon aus, dass der Ausbau ähnlich aussieht wie bei den aktuell im Verkauf befindlichen und die liegen zwei Jahre im neuen Barrique.
Der Cabernet Sauvignon hat richtig viel Würze in der Nase, dunkle Beeren, Holz, etwas Eingekochtes, Zwetschgenröster, Zimt und Kardamom. Ich suche Paprika, finde aber keine. Man riecht, dass er auch nach der Füllung noch ein paar Jahre Zeit hatte zu reifen. Schmecken tut man das allerdings nicht. Ich weiß natürlich nicht, wie pelzig das am Anfang war, aber das packt kräftig nach der Zunge. Also so richtig. Es zieht an Backen und Gaumen und bleibt da dann. Trotzdem schafft es die Säure immer wieder Schnitte zu setzen, die Frische bringen. Nur die wirklich schöne Frucht schafft den Sprung aus der Nase auf die Zunge nicht. Zu viel Holz, zu viel Säure gerade.
Da ist mehr Frucht, mehr Würze an Tag zwei. Es wirkt dicht, engmaschig mit Pflaumen und Zwetschgen und Dörrobst. Da ist immer noch Gerbstoff, viel davon, aber die Säure kommt inzwischen so gut dagegen an, dass es auch die dunklen, herben Beeren in Richtung Geschmack schaffen. Aronia, Sauerkirsche, etwas Dunkelblaues. Das macht richtig Spaß so.
Wir waren unterwegs am vorigen Tag und so müde, dass mehr als ein Glas nicht drin war. Deshalb gibt es einen dritten Abend. Dieser dritte Abend ist heute der Teppich, der das Zimmer erst so richtig gemütlich macht. Es ist alles noch enger zusammengerückt. Der Gerbstoff einen Schritt zurück, die Frucht einen Schritt vor. Da ist was Blumiges, ein bisschen Süße inzwischen im Geschmack und auch wenn der Punch aus dem Tannin immer noch sitzt, man trinkt das einfach auch sehr gerne so. Wir zumindest. Vanille, Tiefe, Komplexität und irgendwie fühlt es sich so an, als wären wir immer noch früh dran mit diesem 2017er. Toller Wein.
Der noch ein Jahr ältere Zweigelt ist duftiger. Eine Mischung aus leicht künstlicher Kirsche und Kräutern. Das erinnert an gesunden Saft aus dem Reformhaus neben einem Stück Marzipan. Da ist deutlich weniger Gerbstoff im Wein. Das Jahr mehr wird hier nicht der ausschlaggebende Faktor sein, das war sicher von Anfang an einfach zahmer. Es ist saftig, weniger dicht, dafür gleich viel fruchtiger auf der Zunge. Kirsche, Saft, Holz. Mit jedem Schluck baut das Tannin dann seinen Turm und am Ende eines Glases ist man sich gar nicht mehr so sicher, warum man am Anfang dachte, dass hier weniger Pelz zu finden sei.
Tag zwei ist dunkler. Die Mittrinkerin riecht Lakritz, wir einigen uns dann auf Lakritz mit Fruchtgummi daran, denn die leicht künstlich wirkende Kirsche, die ist da immer noch. Der Gerbstoff ist noch weicher. Und auch wenn mich der Verlauf am ersten Abend hat vorsichtig werden lassen, bleibt das heute so. Fast easy-drinking, aber eben nur fast. Das ist beerig, weich, intensiv und frisch und ähnlich gut wie der Cabernet. Ganz im Gegensatz zu diesem tut sich aber hier am dritten Tag nicht viel. Nicht schlimm, weil es immer noch viel Freude macht. Man muss in Württemberg weder Zweigelt noch Cabernet Sauvignon anbauen. Man kann aber. Und wenn man das macht wie hier, dann passt das schon.