23.8.2026

Drei Flaschen Markenhof

Wir trinken vom Markenhof aus Baden einen Brut Nature 2024, einen Rosé 2023 und Kohlenbacher mit Mostquitten, alles vergorenes Streuobst.

Auf einem Holztisch stehen drei Flaschen Cider vom Markenhof. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen.

Manchmal ist der Wurm drin. Im Apfel sowieso, aber manchmal eben auch beim Paketversand. Was nicht mehr drin war, war gut ein Drittel Flascheninhalt. Erstaunlicherweise hat der sich aber in den Karton verabschiedet ohne den Kronkorken auf der Flasche mitzunehmen. Und glücklicherweise auch ohne die Flasche mit in den Abgrund zu reißen. Jedenfalls beim Karton, der es bis zu uns geschafft hat. Der zweite Karton kam gar nicht so weit. Fast zwei Jahre ist der letzte Glasbruch jetzt aber her. Also immer noch eine ziemlich gute Quote würde ich sagen. Paul hat die Nachlieferung dann mit so viel Polsterung verpackt, dass man sie vermutlich hätte aus dem Wagen werfen können ohne, dass etwas passiert. Paul macht Cidre auf dem Markenhof in Kirchzarten in der Nähe von Freiburg. So nah bei Freiburg, dass wir ohne es zu wissen vor ein paar Jahren mit unseren Klapprädern beim jährlichen Freiburg-Urlaub fast vor seiner Hoftüre vorbei geradelt sind. Schön da an der Dreisam, zumindest, wenn die Dreisam Wasser hat, was zur Zeit leider Mangelware ist.

Ich weiß gar nicht, ob wir damals überhaupt Cidre bekommen hätten, denn Paul hat selber erst vor 5 Jahren, nach einem Urlaub in der Normandie, angefangen sich mit Cidre auseinanderzusetzen. Die ersten Versuche waren schwer, aber ein alter schwäbischer Studienkollege, Urs Renninger, der hier auch schon aufgetaucht ist, gab sein Wissen gerne weiter. Schwäbisch-badische Völkerverständigung in der Praxis. Fast so wie hier bei uns am Esstisch. Inzwischen keltert man auf dem Markenhof ein beachtliches Sortiment, trocken, mit Restzucker, aus Apfel, Birne, Quitte und anderem Obst. Wir trinken drei Flaschen: Brut Nature 2024 aus Genereuse de Vitry, einer alten, französischen Sorte, die vor allem Gerbstoff mitbringt und Bohnapfel, einer traditionellen deutschen Sorte, die Säure mit ins Spiel bringt. Rosé 2023, der aus Weinbirnen und wild gesammelten Schlehen aus dem Schwarzwald gekeltert wird. Und eine Cuvée aus der Apfelsorte Kohlenbacher, eine lokale Sorte, die 2021 sogar Streuobst des Jahres war, und Quitte.

An Quitte denkt man beim Einschenken sowieso sofort. Die Art wie das im Glas schäumt, ist ziemlich eigen. Viel, eher dichter, sehr weißer Schaum, der so schnell wieder außeinander fällt, wie er aufgetaucht ist: Quitte. Man riecht aber mehr Apfel als Quitte im ersten Moment. Es erinnert so ein bisschen auch an eingelegte Birne, die, die man auf dem Rehbraten hofft zu finden. Dabei ist hier gar keine Birne im Glas. Die Quitte schaut zwischendurch immer mal wieder vorbei und vielleicht finde ich Quitte gerade deshalb so spannend. Man kann da so viel damit machen. Quitte komplett ins Gesicht, Quitte im Hintergrund, Badewasser, Quittengelee. Tausend Varianten und alle können super sein. Das hier ist super. Beim Trinken dann deutlich mehr Quitte als in der Nase, die Säure erinnert an grüne Äpfel, da ist Struktur und ein bisschen Süße. Wer den Quittenpunch braucht, der hält einfach nach dem Einschenken die Nase ins Glas. Da liefert die Quitte dann ab.

Das funktioniert auch zur Pasta mit langsam geschmortem Soffrito und ein paar frischen, kurz mitgeschmorten Kirschtomaten ganz wunderbar. Der Cidre wird deutlich süßer dazu, was mit Öl und Butter und dem Gemüse eine tolle Kombination ergibt.

Der Rosé scheint, wie auch ein Cider in der letztem Woche, sein Dasein in der Flasche nicht besonders zu mögen. Verstehe ich gar nicht, weil die Etiketten sind toll. Ich bin unvorbereitet, weil der Kronkorken nur leise zischt und es dann drei Sekunden, ebenfalls leise, sehr beständig über die Flasche schäumt. Die Mittrinkerin rennt und rettet die Situation. Kaum Verluste sind zu beklagen.

Bei Schlehe erwarte ich eigentlich Marzipan, was wohl am Schlehengeist hinter mir im Regal liegt. Das hier aber riecht nach einer Mischung aus Rhabarber, Holunderblüte und Birne. Dahinter kommt dann ein Hauch das, was beim Brennen zu Marzipan werden wird. Zug hat das, erstaunlich viel Zug sogar. Das ist saftig, eher straff und zieht mehr am Gaumen als an der Zunge. Je mehr man trinkt, desto komplexer wird die Frucht, beerig, würzig, ein bisschen kräuterig und Waldhonig. Leider merkt man auch die Süße mit jedem Schluck mehr. Mich würde interessieren, wie das wohl ganz trocken wäre, weil zumindest mir reicht ein Glas davon. Aber ich kann mir vorstellen, dass das ganz einfach viele Fans findet.

Brut Nature ist dann natürlich das brutalstmögliche Kontrastprogramm und genau deshalb trinken wir den jetzt. Straff, mit viel Apfel in der Nase, wirklich frischer Apfel vom Baum und leicht angelaufene Apfelschalen sind da. Klar, reine Frucht, die so richtig erst auftaucht, wenn man länger die Nase ins Glas hält. Ein bisschen zu kalt ist er vielleicht, so direkt aus dem untersten Fach im Kühlschrank. Aber diese Tage erledigt sich das mit zu kalt schneller als einem lieb ist. Ich mag den Gerbstoff, den Genereuse de Vitry mit ins Glas bringt. Das ist lang, straff, fast ein bisschen karg auf der Zunge, auf eine ganz angenehme Art. Und anders als bei der Weinbirne, könnte ich hier die ganze Flasche verhaften ohne je satt davon zu werden. Dabei will ich gar nicht sagen, dass ich den hier mehr mag. Die Schlehe ist super, aber der Zucker macht zumindest mich schnell müde. Und das hier, da kann man Schluck für Schluck für Schluck trinken und will gar nicht mehr aufhören. Das ist alles gut, aber der Brut Nature ein bisschen gutererer. Und ich verstehe auch, wenn einem das hier zu karg, zu puristisch, zu gerbstoffig ist. Aber dann hat man halt keine Ahnung. Und wie schon gesagt, die perfekte Antwort auf den Sommer ist so ein Cidre sowieso.

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