30.8.2026

Hainbusch - Lai 2024

Wir trinken eine Flasche Lai Riesling 2024 vom Weingut Hainbusch.

Auf einem Holztisch steht eine Flasche Riesling vom Weingut Hainbusch. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen, vor der Flasche liegt Korken und Kellnermesser.

Diese Smartwatch mit eInk Display ist das erste Crowdfunding-Ding, an das ich mich erinnere. Und ich glaube, dass das so auch das erste Crowdfunding-Ding überhaupt ist, an das sich Leute erinnern beziehungsweise der Startschuss für jede Menge weitere Dinge auf Kickstarter. Selber war ich da nie so richtig drin. Ein paar Games habe ich hier und da darüber geklickt in den ersten Jahren. Die kamen mal und kamen mal nicht. Und irgendwie habe ich dann die Crowdfunderei aus den Augen verloren. Es gibt sie natürlich noch und ich werde daran erinnert wenn mal wieder in einem Video eine Erwähnung einer Espressomaschine von Kickstarter auftaucht oder sowas. Aber vierstellige Beträge für Dinge bezahlen, die es noch nicht gibt, das war mir immer suspekt. Aber als Finanzierung einer Idee, als Ermöglichung von Träumen und Visionen, fürs Umherklicken und Anschauen, was die Leute sich denn so ausdenken und machen wollen, dafür hat Crowdfunging immer einen Reiz gehabt.

Und als dann die Kampagne und Luisa und Elias irgendwie in den sozialen Medien an mir vorbeizog, da habe ich geklickt. Zu langsam tatsächlich, denn sonst wäre es wohl eine der raren Magnumflaschen geworden. Aber noch rechtzeitig für eine Flasche aus der Rauschelay und eine Flasche Blüchertal. Und dann habe ich komplett vergessen, dass ich das geklickt hatte. Wie das halt so ist beim Crowdfunden. Es folgte eine Email, Hitze, Verschickprobleme und schließlich die Zustellung. Wäre die Flasche auf dem Bild etwas weiter gedreht, würdet ihr feststellen, dass weder Rauschelay noch Blüchertal drauf stehen. Sondern Lai in diesem Fall. Landweinprobleme. Und Hainbusch steht da und Hainbusch sind eben Luisa und Elias, die sich bei der Ausbildung zum Winzer kennen gelernt und, wie man das so macht als Winzer, zusammen ein Weingut in Kaub am Rhein gegründet haben. Mittelrhein um genau zu sein. Die Lage Rauschelay grenzt direkt an Kaub und vermutlich habe ich sie dieses Jahr schon in Natura gesehen. Wenigstens vom Zugfenster aus. Die Strecke Stuttgart-Köln, die, die am Rhein entlang fährt natürlich und mit einem Fensterplatz in Fahrtrichtung rechts und, wenn man den Roten Hang sehen will, entweder auch so auf der Rückfahrt oder mit schnellem Blick nach Gegenüber, sei jedem Weinliebhaber ans Herz gelegt. Die Loreley ein paar Kilometer weiter den Fluss entlang wird zur Nebensache ob der ganzen großen Lagen. Jedenfalls stehen die Reben dort auf Schiefer in den Steillagen mit Blick direkt auf den Fluss. Komplett Handarbeit. Lange auf der Hefe. Klar. Wenig Eingriff, viel Natur, ein bisschen die Idee von Früher. Nicht unerwartet, denn Idealismus und eine Prise Wahnsinn sind wohl unvermeidlich, wenn man heutzutage ein Weingut gründet. Vielleicht ist eine Prise Wahnsinn auch gar nicht genug.

Der Wein riecht karg zu Anfang, Apfelschale ist da, etwas Oxidatives, kühl, kräuterig und mit ein bisschen Alkohol und Funk in der Nase. Die Säure fühlt sich aalglatt an beim Trinken und hat trotzdem richtig Kraft. Erst weiter hinten kommt dann Struktur, die lange auf der Zunge liegen bleibt. Mit dem Wein im Mund verändert sich, wie so oft, die Nase nochmal stark. Es wird fruchtiger, nicht unbedingt fruchtig, aber eben fruchtiger als es vorher war. Dieses Orangeneis, das es früher am Kiosk gab, aber ohne den Zucker, so riecht das und auch von der Säure passt Orange inzwischen gut. Saftig, frisch und noch ziemlich jung. Mich erinnert das gerade ein bisschen an die Rieslinge von Lassak und das ist ja ein gutes Zeichen. Je öfter man einen kleinen Schluck nimmt, desto mehr Struktur baut sich auf, desto mehr Tiefe ist da.

Es wird nussiger über Nacht, irgendwie weicher, mürber, würziger. Überhaupt die ganze Art erinnert jetzt an mürben Apfel mit Walnuss und ein paar gelben Früchten. Die Säure hat ähnlich viel Kraft wie am ersten Abend. Da ist immer noch diese Orange, die inzwischen nicht mehr ganz so an den Kiosk erinnert, aber wenn man den vorigen Abend noch im Kopf hat, dann taucht sie unweigerlich wieder auf. Beim Trinken verzieht sich das Mürbe allmählich, es wird saftiger, frischer, strahlender und wieder heller. Da ist etwas Rauch, Stein und Tiefe. Das ist ein Wein für den ganzen Abend, idealerweise für mehr als einen Abend. Und auch zum Vesper macht das eine gute Figur. Brot. Aufschnitt, Röstkartoffel und ein paar Antipasti. Perfekt.

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