27.9.2026

Dönnhoff - Hermannshöhle 2019

Wir trinken vom Weingut Dönnhoff von der Nahe eine Flasche Riesling Hermannshöhle 2019.

Auf einem Holztisch steht eine Flasche Kirchspiel von Keller. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen, vor der Flasche liegen Korken und Kellnermesser.

Rieslingwochen. Und das hier. Und dann auch noch ungeplant. Aber wenn es mal läuft, dann läufts und wenn’s dann mal läuft, dann lass ich es auch einfach laufen. Also wieder Riesling heute. Der kommt von der Nahe, eines der Gebiete, die hier relativ selten auftauchen. Ganze fünf mal sagt die Historie und das erste mal war, wie auch heute, von Dönnhoff. Allerdings aus dem Felsenberg und wenn man eigentlich Dönnhoff sagt, dann meint man vermutlich oft Hermannshöhle. Die [Niederhausener Hermannshöhle] um genau zu sein, die allerdings geographisch viel näher an Oberhausen, der Ort in dem das Weingut seinen Sitz hat, liegt als an Niederhausen. Wie das öfter mal so ist in der deutschen Weinwelt. In der Lage findet sich ein alter Bergwerkstollen, daher der Name. Die Reben wachsen hier direkt an der Nahe auf Schiefer und Vulkangestein mit Blick in Richtung Süden in der Steillage. Bis zu 75 Jahre sind sie alt. Es wird von Hand gelesen und in Edelstahl und altem Holz ausgebaut.

Die Frucht ist vom ersten mal die Nase ins Glas halten an großartig. Gelb, intensiv, mit viel Zitrus und Mango. Cremig, mit Würze und Stein dahinter. Wenn man schwenkt, dann sind da auch noch Zündplättchen dabei, nicht viele, aber ein paar haben die Flaschenreife überlebt. Da sind Kräuter und jedes mal Riechen bringt eine leicht andere Frucht an die Oberfläche. Mal ist diese Frucht mehr orange in der Farbe, mal gelber. Ich denke mir, dass das überhaupt nicht nach 2019 riecht. Nichts deutet gerade auf die Jahre im Keller hin. Die Baumrinde, die man aus der Flasche zieht ist aber auch eines der stattlicheren Exemplare Baumrinde, die man so aus Flaschen ziehen kann. Das hat sich hier ganz sicher bezahlt gemacht.

Die Säure ist auf der dunkleren Seite. Sie hat Zug, aber gleichzeitig auch eine Balance, eine Weichheit, die den ganzen Riesling richtig charmant macht. Und auch beim Trinken ist erstmal ganz viel Frucht. Dann, weit hinten auf der Zunge, kann er das bisschen Reife doch nicht verstecken. Ein bisschen Petrol, ein bisschen die Art von Struktur, die erst mit Zeit in den Riesling kommt. Das ist echt gut. Das sortiert sich ganz weit vorne ein, bei den Rieslingen, die wir dieses Jahr im Glas hatten. Das ist einfach schön. So unkompliziert, so harmonisch. Ein Wein zum anlehnen, zum Wohlfühlen. Das, was GG dann eben doch oft nicht ist. Da ist auch Süße auf der Zunge, die entweder aus minimalem Restzucker oder dem Extrakt stammt. Ich bin viel zu angetan, als dass ich jetzt Analysewerte raussuchen wollte. Trocken nach Weinrecht ist es als GG ja in jedem Fall. Wir haben parallel einen Rotwein auf, ein Tanninmonster, und auch mit dem Gerbstoff im Mund fällt der Riesling nicht auseinander, er wird fast noch weicher, noch harmonischer dazu. Verrückt. Und bei all der Lobhudelei und dem Charme hat der Wein stets Tiefe. Es bleibt über den ganzen ersten Abend so, dass jedes mal riechen ein bisschen anders riecht, jeder Schluck ein bisschen anders schmeckt. Dass man immer ein bisschen tiefer eintauchen kann. Dass immer noch was kommt.

Erstuanlicherweise tut sich in den ersten Momenten fast gar nichts am zweiten Tag. Man muss schwenken und schlürfen, dann verändert sich der Wein. Je mehr man schlürft, desto mehr Würze taucht auf. Wenn man einfach trinkt, dann wird es cremig. Da ist eine Bitternote, da ist Kernobst und das Weiße von Zitrusfrüchten. Da ist tatsächlich ziemlich viel Weißes von Zitrusfrüchten heute. Ich mag die Struktur. Die ist anders als am ersten Tag. Karger, straffer, mit mehr Zug und Textur. Nicht besser. Nicht schlechter. Mehr GG irgendwie, mehr Widerstand. Ich will mich nicht entscheiden. Ich muss mich auch nicht entscheiden. Was ich aber entschieden habe, ist dass diese Flasche die beste Flasche Riesling ist, die ich 2026 bis jetzt getrunken habe. Und da bin ich mir sehr sicher dabei.

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