Heinrich - Edelgraben 2017
Wir trinken vom Weingut Heinrich aus Österreich eine Flasche Blaufränkisch Ried Edelgraben aus 2017.

Es muss nicht immer Lemberger sein. Es darf ruhig auch mal Blaufränkisch geben. Außerdem ist die letzte Flasche Heinrich eine Ewigkeit her und obwohl wir abseits des Blogs öfter mal Blaufränkisch von Heinrich im Glas haben, ist hier bisher nur Weiß aufgetaucht. Das ändert sich jetzt. Lustigerweise hätten wir diese Flasche schon damals trinken können, hätten wir sie denn damals schon gekauft gehabt. Auf die Flasche kam der Blaufränkisch nämlich im April 2020. Gewachsen ist er in der Lage Ried Edelgraben am Waldrand mit Blick auf den Neusiedlersee in der Region Leithaberg im Burgenland in Österreich. Um die Herstellung abzuhaken: Die Weinberge werden biodynamisch bewirtschaftet, der Wein von Hand gelesen, spontan vergoren, drei Wochen Maischestandzeit und dann Ausbau im gebrauchten 500 Literfass für knapp 30 Monate. Auf der Flasche sitzt ein Glasverschluss, was mich persönlich immer sehr glücklich macht. Unter diesem Glasverschluss hatte der Lemberger, Verzeihung, Blaufränkisch jetzt nochmal fast sieben Jahre Zeit zu entspannen. Diese Zeit kann er auch im Weingut verbringen, denn der Jahrgang ist noch ab Hof erhältlich.
Wenn die Trauben am Rebstock die Augen richtig zusammenkneifen und über den Neusiedlersee hinweg blicken, dann sehen sie vielleicht das Weingut. Das liegt nämlich in Gols, westlich des Sees, näher zur ungarischen Grenze. Wenn man sich die Lagenkarte, der von der Familie Heinrich bewirtschafteten Lagen anschaut, dann ziehen diese sich wie ein Amphitheater um die nördliche Spitze des Neusiedlersees. Im Westen das Leithagebirge, im Osten eher flache Lagen, in der Mitte Wasser. Wäre eigentlich mal spannend, das direkt gegeneinander zu probieren. Ein Projekt für ein anderes mal.
Die Frucht ist dunkel und irgendwie leicht gemüsig. Beim “gemüsig” sagen bin ich vorsichtig, weil das sofort in die negative Kartoffelsuppenecke gesteckt wird. Das ist es hier aber nicht. Es ist einfach herzhaft, ohne irgendwie negativ zu sein. Da ist Kirsche, da ist kräuterige Würze und das, was gemüsig war, erinnert inzwischen mehr an Wildgewürz mit Dörrpflaumen. Je mehr man schwenkt, desto lebendiger wird es im Glas. Die Säure bekommt mehr und mehr Zug, das ist saftig, fruchtsaftig fast mit den ganzen Kirschen und hat viel Tiefe. Mit dem Wein im Mund kommt ein bisschen Süßgebäck in der Nase dazu und je mehr man schwenkt, desto mehr gehen die Gewürze in Richtung Zimt und Co. Das macht richtig Freude und während man in der Nase noch meint die 9 Jahre auf dem Buckel zu riechen, so schmeckt man nichts davon. Das ist einfach so frisch, da ist null Alter, null Reife dabei. Rote Beeren, Cassis, Kirsche und so viel Frische. Man könnte das auch in großen Schlucken wegschlotzen ohne viel nachzudenken. Könnte man. Muss man aber ja nicht.
Es wird noch dunkler am zweiten Abend, etwas holziger, trockener, nicht die Abwesenheit von Zucker, das ist so durchgegoren, dass da eh nichts mehr übrig ist, aber im Sinne von nicht nass. Ich mag die Frucht, das leicht dörrige darin, die Komplexität. Aber auch die Frucht macht einen Schritt zurück. Es ist leiser heute, bedächtiger. Zumindest in der Nase ist das so, denn beim Trinken unterscheidet sich der Edelgraben kein Stück vom Vortag. Man fängt an die Flaschenreife mehr und mehr zu riechen, schmecken tut man sie weiterhin nicht. Diesen Drahtseilakt zwischen Nerdwein, der es für um die 50 Euro ja zweifellos ist, und unkomliziertem Rotwein, den man eigentlich jedem einschenken kann, den meistert diese Flasche mit Bravour. Je mehr man trinkt, desto voller wird er wieder, desto intensiver, desto mehr Frucht und Struktur bleiben am Gaumen hängen. Das ist echt schön.
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