25.10.2026

Piero Busso - Langhe Nebbiolo 2024

Wir trinken nochmal Nebbiolo aus dem Piemont: Von Piero Busso gibt es eine Flasche Langhe Nebbiolo 2024.

Auf einem Holztisch steht eine Flasche Nebbiolo von Piero Busso. Im Hintergrund sind ein Weinglas und ein Bücherstapel zu sehen, vor der Flasche liegen Korken und Kellnermesser.

Zeitumstellung. Der Jetlag des kleinen Mannes. Und weil zumindest mein Körper die nächsten Tage mit dem Gefühl “Ach, so früh ist es noch” und “Ach, jetzt wird’s schon dunkel” verbringen wird, muss Konstanz im Glas her. Für den Ausgleich. Und deshalb trinken wir schon wieder Nebbiolo aus dem Piemont. Die Busso-Familie hat sich dem Barbaresco verschrieben. Pieros Vater gründete das Weingut 1948 und nach dessen frühem Tod 1970 übernahm Piero. Der erste Barbaresco wurde 1982 gefüllt, das Lagenportfolio erweitert und inzwischen existiert ein ganzer Blumenstrauß von Barbaresco im Sortiment. Etwa 10 Hektar bewirtschaftet die Familie inzwischen und auch die nächste Generation mit Pierguido und Emanuela Busso ist an Bord. Wir haben die Basis im Glas, zumindest in Sachen Nebbiolo. Der Langhe Nebbiolo wird von jüngeren Reben geerntet und aus Anlagen, die auf fetteren Böden wachsen, die nicht in die Lagenweine passen. Er wächst rund um die Gemeinde Neive, wird im Stahltank vergoren und anschließend in gebrauchten Holzfässern ausgebaut. Und ja, mir ist schon bewusst, dass auch in der Basis 2024 sehr jung ist. Noch mehr, wenn der Kollege aus 2019 letzte Woche schon so pelzig war. Aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Außerdem haben wir mitgedacht und Essen drum herum geplant.

Der Wein wirkt distanziert in den ersten Minuten nach dem Korkenziehen. Aber wenn man das Glas eine halbe Stunde stehen lässt und die letzten paar Fruchtfliegen davon abhält, eine Runde schwimmen zu gehen, dann ändert sich das. Sauerkirschen, rote Beeren, ein paar rote Blütenblätter und Würze. Viel feiner, als man im ersten Moment dachte, filigraner. Nur um sicherzugehen, halte ich die Nase noch ein paarmal mehr ins Glas. Das hat ganz sicher nichts damit zu tun, dass ich Respekt davor habe wie viel Struktur gleich potenziell an meiner Zunge zieht. Aber so krass ist es dann gar nicht. Klar, da ist Tannin. Da ist eine ordentliche Portion Tannin. Und gegen Ende jedes Schluckes übernimmt dieses Tannin auch das Kommando im Mundraum. Aber da ist eben auch eine fast seidige Cremigkeit am Anfang jedes Schluckes, da sind die Kirschen aus der Nase, da ist Länge und wenn man in kleinen Schlucken vor sich hin trinkt, bringt der Wein sich von ganz alleine in eine gewisse Balance aus Säure, Frucht und Gerbstoff. Und bei Rotwein mit 14 Umdrehungen sind kleine Schlucke sowieso eine gute Idee. Das ist halt kein Cidre. Zum Ragù passt das erwartet gut. Das Tannin schmilzt, die Struktur bleibt aber und die Frucht sowieso. Da will man dann die Flasche leeren. Aber morgen wollen wir ja auch noch was zum Probieren haben.

Tag zwei also und wie schon in der letzten Woche passiert richtig was. Zeit zu haben ist also ganz offensichtlich eine gute Idee bei diesen Weinen. Es wirkt ätherischer, dunkler in der Nase, die hellen Beeren sind praktisch verschwunden, die Sauerkirsche ist mehr schwarze Herzkirsche geworden. Da ist mehr Würze, Eukalyptus, Leder und eine kleine Kelle Rumtopffrüchte. Das Tannin wirkt zurückhaltender, die Säure knackiger. Es wirkt frischer beim Trinken, dafür gesetzter in der Nase. Spannend. Und dieses Mal habe ich wirklich mitgedacht, denn auf dem Grill wartet schon ein Flapsteak aus dem Schwarzwald. Das funktioniert genauso gut wie das Ragù. Und auch zur Schokolade der Mittrinkerin, die sich in so hohen Prozentzahlen bewegt, dass ich das eigentlich nur mit der Zange anfasse, passt das gut. Ein Multitalent.

Ähnliche Beiträge

comments powered by Disqus