Guillaume Overnoy - Clos de Jerminy 2020
Aus dem Jura gibt es eine Flasche Clos de Jerminy Chardonnay von Guillaume Overnoy aus 2020.

Overnoy. Nicht DER Overnoy, aber Overnoy. Im französischen Jura ist das schließlich ein Name wie Donnerhall, da muss man das dazu sagen. Der Overnoy, also Pierre Overnoy, ist Guillaumes Großonkel. Guillaume ist die inzwischen vierte Generation auf dem Gut der Familie. Er bewirtschaftet etwas über fünf Hektar rund um Orbagna im Süden des Jura. Der Vater hat den ehemaligen Mischbetrieb in den 80er Jahren des letzten Jahrtausends auf den Weinbau fokussiert. 2013 übernimmt dann Guillaume mit gerade einmal 19 Jahren. Er startet die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung im Weinberg und reduziert die Eingriffe im Keller. Und weil die Erträge im Jura in den letzten Jahren durch Frost und Co eher schwierig waren, wird inzwischen auch Bier als zweites Standbein produziert. Das habe ich in Deutschland allerdings noch bei keinem Händler gesehen. Wir trinken aber sowieso heute Chardonnay aus der Lage Clos de Jerminy, geerntet 2020. Dass der Wein dann spontan vergoren wurde, ist da schon selbstverständlich. Danach reift der Chardonnay zwei Jahre im gebrauchten Holz bevor es mit möglichst wenig Schwefel auf die Flaschen geht. Die Fässer werden aufgefüllt wenn etwas verdunstet, der Ausbau ist deshalb ouillé und nicht oxidativ unter Florhefe.
Das hat eine ganz feine Nase. Eher kühl mit etwas Laktik, ein paar Nüssen, nein, ganz vielen Nüssen, die mehr Haselnuss oder Walnuss sind als das nussige Getreide, das man so oft im Chardonnay aus dem Jura riecht. Da ist gelbe Frucht, etwas Cremigkeit, aber keine Butter. Es riecht schon straff und so schmeckt der Wein dann auch. Ordentlich Zug dahinter. Dann kommt auch im Mund die gelbe Frucht dazu und hinten raus etwas Struktur. Je mehr kleine Schlücke man nimmt, desto saftiger werden sie, desto mehr läuft einem das Wasser auf die Zunge. Es taucht Stein auf und gelbe Gummibärchen. Die Aromatik ist klar, offen und strahlend. Ein Wein für kleine Schlucke und auch ein Wein für die großen Schlucke. Es gibt Pasta mit ausgelassener Salsiccia und Butter. Das funktioniert perfekt zusammen. Vielleicht ist das der Grund, warum wir so viel öfter nach Jura-Chardonnay greifen als zum Beispiel nach Riesling GG. Ich kann mich da jetzt reinnerden, oder das einfach nebenher trinken. Das passt irgendwie in so vielen Situationen gut. Nicht, dass es keine Riesling GGs gäbe, die das nicht auch könnten. Haben wir ja oft genug hier im Blog. Aber die Trefferquote ist bei Chardonnay wie diesem hier einfach höher.
Der zweite Tag startet mit mehr Frucht. Es ist cremiger in der Nase, deutlich cremiger. Die Nüsse sind weg, der Joghurt auch. Es schmeckt relativ unverändert, hat Zug und Struktur und deutlich mehr Zug als man bei der jetzt so cremigen Frucht in der Nase denken würde. Da ist was Blumiges, da sind Kräuter und Vanille hinten auf der Zunge. Während man schwenkt, kommt die Laktik zurück. Da ist nicht mal ein Anflug von beginnender Reife. Und, ich schaue mal kurz in Richtung Kalender, 2020 sind ja jetzt auch sechs Jahre. Er macht nicht den Eindruck, als wären mindestens sechs weitere Jahre ein Problem. Er wirkt genau so unaufgeregt, locker und zwanglos wie am ersten Abend. Wenn man nicht weiß, ob Chardonnay aus dem Jura was für einen ist, dann ist das hier sicher ein guter Einstieg. Es gibt sie auch noch gut zu kaufen. Nur günstig, das sind sie nicht, aber das ist wohl leider gar nichts mehr im Jura. Aber wen das nicht abschreckt, der findet hier einen Wein zum Rantasten. Jedenfalls wenn die aktuellen Jahrgänge so schmecken wie dieser hier, wovon ich ausgehe.
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